Heute ist Mittwoch, die Liemba soll um 16:00 ablegen. Beim Ticketschalter am Hafen hat man uns gebeten 1 Stunde vor Abfahrt an Bord zu gehen. Also sind wir typisch deutsch bereits um halb drei am Hafen. Gegen 18:00 ertönt dann erstmals das Schiffshorn und es kommt Bewegung in die Menschen die noch mitfahren wollen. Ganz offensichtlich ist es bekannt, dass der Kapitän es ernst meint. 2 Träger mit einer Couch rennen auf das Schiff zu, dahinter folgt der Besitzer. Doch zu spät die Leinen sind schon losgeworfen und die Liemba driftet vom Landungssteg weg. Auch rufen und gestikulieren helfen nicht, der Besitzer der Couch bleibt mit seinem Möbelstück an Land. Die Liemba hält auf den offenen See zu macht dann aber eine Drehung und stoppt erst einmal für 15 Minuten bevor sie wieder Fahrt aufnimmt und die Reise beginnt.
Wir reisen 1st Class, haben also Kabine. Daneben gibt es 2nd, 3rd und 4th Class. Zugang zum überdachten Oberdeck und Restaurant haben nur die erste und zweite Klasse. Die dritte Klasse bleibt auf der Vordeckebene. Die vierte ist unter der Wasserlinie. Es ist dunkel geworden, an Land sieht man keine Lichter. Lediglich die Siluetten der Berge verraten, dass wir entlang der Küste des längsten Sees der Welt unterwegs sind. Etwa um 20 Uhr wird das Essen aufgetragen. Es werden Hühnchenteile, Rind und Fisch gereicht. Dazu gibt Manjoka als Salzkartoffel zubereitet und/oder Reis. Alles wird von den Stewarts auf einen Teller gegeben. Unser Geschmackstest ergibt das Gesamturteil – essbar.
Gegen 21 Uhr wird die Liemba langsamer. Sie hat ihren ersten Stopp erreicht das Schiffshorn ertönt, Scheinwerfer auf dem Vordeck werden eingeschaltet und aus der Dunkelheit erscheinen plötzlich kleine und große Fischerboote.
Sie sind beladen mit großen Säcken, die getrocknete Sardinen enthalten, gebündelten Stöcken und Passagieren. Die Lastenboote machen am Bug fest und die Ladung wird an Bord der Liemba geworfen. Warum wie viele Bündel und Säcke an Bord genommen werden erschließt sich uns nicht. Auch ein Gespräch mit einem Besatzungsmitglied bringt keine Erhellung. Sicher ist nur, dass die Boote ein Teil ihrer Ladung nicht loswerden. Während die Ladung an Bord genommen wird besteigen und verlassen die Passagiere das Schiff, durch seitlich Türen. Die längsseits gegangenen Boote liegen einen Meter unterhalb der Luke. Eine Strickleiter gibt es nicht und die Boote werden durch die Wellen periodisch gehoben. Keine einfache Sache die uns hier erwartet und mit diesem Zweifel gehen wir erst einmal in unsere Kabinen. Der Chefstewart hatte versprochen uns bei Ankunft in Lagosa zu wecken, was etwa um 4 Uhr morgens sein wird.
Um 4 Uhr klopft es an der Tür. Wir hüpfen in unsere Kleider, schnappen unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Die Liemba hält auf Land zu, man sieht ein Feuer, die Schiffsirene ertönt und die Maschinen werden langsamer. Diesesmal werden wir Teil sein des bunten Treibens. Alle sind aufgeregt. Während das Schiff bremst und schlieslich ganz zum Stillstand kommt sind wir unterwegs zu den Ausstiegen. Über das Vorschiff geht es in die dritte Klasse. Es ist dunkel und viel zu warm. Überall schlafen Menschen auf dem Boden. Vorsichtig finden wir unseren Weg nach Mittschiffs. Hier herrscht Gedränge. Rechts klettern Menschen in das Schiff, links steigen andere aus. Der Chefingenieur der auch die Fahrkarten kontrolliert teilt uns mit, dass wir warten sollen unser Boot sei noch nicht da. Als die Besatzungen der Fischerboote mitkriegen wo wir hin wollen möchten diesen alle gerne übernehmen. Von allen Seiten erschallt der Ruf Mahale Mahale. Aber nichts gibts das Boot ist bestellt und wir warten bis es schlieslich eintrifft und in dritter Reihe festmacht. Ich darf als erster aussteigen. Vor mir liegt ein größeres Boot das durch Wellen auf und nieder tanzt. Als oben ist springe, lande auf einer Bank rutsche ab und stehe im Boot - nichts passiert. Den Rucksack reiche ich weiter ins nächste Boot dann folgt Annette und dann alle Anderen. Auch wenn es zu komischen Situationen kam sind wir schlieslich alle sicher in unserem Speedboat versammelt.
Unser kleines Boot gibt Gas und wir pflügen durch die Wellen. Immer wieder nehmen wir eine Dusche und erreichen nach etwa 2 Stunden das Park Hauptquartier
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