Reisezeitraum:
24. März bis 18. Oktober 2008

Bereiste Länder: Namibia, Botswana, Südafrika, Zambia, Malawi, Mozambique

Gefahrene Kilometer: 31 000

Fahrzeug: Landrover Defender TDI, Baujahr Dezember 1994

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Reisebericht
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Tour 3, 7. Juni, Botswana

Route: Maun, Drotzkys Cave, Tsodilo Hills, Seronga, Maun, Kwai River, Maun

Der Mond in Seronga, Juni 2008, Bild: Louis

Eitler Fratzke, er liebte sein Spiegelbild, Bild: Louis

Die Kinder in Gudigwa, Juni 2008, Bild: Louis

Landy mag nicht mehr, Juni 2008, Bild: Louis


Der Bagger schleppt uns ab, Juni 2008, Bild: Louis

Der RAV bringt fast nur Ärger, Juni 2008, Bild: Jürg Frey

Giraffe im Sonnenuntergang am Kwai River, Juni 2008, Bild: Jürg Frey

Abseits der Pfade - unsere dritte Tour

Samstag 7. Juni, Maun

Nach über zwei Monaten sollten wir heute wieder eines unserer Kinder in die Arme schließen dürfen. Wir freuten uns auf die Ankunft von Patrick, aber natürlich auch auf die Ankunft von Jürg. Und dieser kam zuerst an. Wie versprochen hatte er für uns eine super Kamera (Canon 20D) mitgebracht. Als wir Patrick erwarteten machte er gleich mal ein paar Bilder von seiner Ankunft. Wir waren glücklich, dass wir unsere Reisetruppe für den nächsten Tourabschnitt beinander hatten und uns wieder auf den Weg machen können. Unser erster Ziel bei der Tour Abseits der Pfade sind die Drotzky Caves.

Montag, 9.Juni, Drotzky`s Caves und Tsodilo Hills

Ich sitze auf der Campsite nur einige Meter vom Eingang der Caves entfernt. Wie in der südlicheren Kalahari findet man auch hier überall feinen roten Sand. Der Platz liegt auf der Hügelkette der Gcwihaba Hills, deshalb heißen die Höhlen auch Gcwihaba Caves. Man hat eine fantastische Aussicht, sogar die Tsodilo Hills kann man sehen. Wir sind absolut alleine hier.

Gestern waren wir in aller Ruhe aufgebrochen. Wir waren froh dem Audi Camp nun entkommen zu sein. Patrick war sich sicher gewesen, dass in der Nacht sein Zelt geöffnet worden ist und ein anderes Pärchen wurde in der Nacht zuvor beklaut.

Nun waren wir aber unterwegs. Auf der Straße ab Tsau, die deutlich besser zu fahren war als es die Beschreibung im Reiseführer vermuten ließ sahen wir einen Steinbock, Oryxe, Cori Bustards und viele andere großen Vögel. Es ist schön außerhalb jeglicher Parks Tiere zu sehen. Patrick hat, ganz der Vater, auch ein gutes Gespür für Vögel und blätterte immer ganz eifrig im Birdbook nach, wenn wir wieder etwas gesehen haben. Jürg hat eine fantastische Foto-Ausrüstung dabei. So kommt es, dass wir auf unserem einsamen schönen Platz, der aber des Nachts lausig kalt wurde, gleich mal ein paar Nachtaufnahmen machten. Genauer gesagt Jürg machte diese. Er experimentierte mit der Kamera und seinem Wissen aus einem Fotokurs. Dennoch braucht es seine Zeit bis so ein Nachthimmel oder ein Selbstportrait einer Vierergruppe vor Lagerfeuer ordentlich auf den digitalen Speicher gebannt ist (irgendeiner bewegt sich immer!).

Am nächsten Morgen machen wir uns in die Höhlen auf. Die Drotzky Caves sind nach einem Farmer benannt, der 1932 von Buschleuten hierhin geführt worden ist. Die Tropfsteinhöhle ist ca. 15 000 Jahre alt und rein äußerlich absolut unscheinbar. Innen drin kann einem aber schon das Gruseln kommen. Wir steigen durch Geröll zur Höhle hinab und betreten diese. Die einzige Orientierung in der Höhle sind ausgelegte Schnüre. Die Caves verzweigen sich immer wieder. Mal werden die Durchgänge sehr niedrig, mal so eng, dass man nur bauchlängs hindurch kommt. Und fast überall sind Fledermäuse. Die Höhle ist still working! Die Luftfeuchtigkeit nimmt im Inneren stetig zu. Es ist warm in der Höhle, um nicht zu sagen, es läuft einem binnen kürzerster Zeit das Wasser hinunter. Der Boden ist schwammig weich. Es ist unheimlich darüber zu laufen. Ein irres Gefühl. An den Höhlenwänden finden sich weiße Netze, die wie Flecken aussehen. fast überall wartet eine Spinne darin. Die vielen Mücken in der Höhle sind ein willkommenes Futter. Schließlich kommen wir an die Stelle, wo man nur noch mit Hilfe einer Strickleiter weiterkommt. Über ca. 15 Meter fällt der Höhlenboden senkrecht ab. Wir sondieren die Lage und sehen keine Chance hier weiter zu kommen. Die andere Höhlenseite werden wir vom anderen Eingang aus besichtigen. Wir gehen die gut 500 Meter zurück. Gut, dass die Schnur hier ist, denn die Orientierung ist nicht immer einfach. Man sieht Patrick an, dass er froh ist, als wir wieder Tageslicht erspähen. Die engen Durchgänge behagten ihm gar nicht.

Jochen endeckt am anderen Höhleneingang eine Eule im Baum, Patrick und ich wandern ein wenig den Weg entlang und können ganz deutlich die Spur eines Leoparden ausmachen. Er muss in der vergangenen Nacht hier entlang gekommen sein. Als wir die Höhle vom anderen Eingang aus erkunden wird Patrick von einer Biene gestochen. Zum Glück schwillt es nicht allzu sehr an. Im großen Eingangsbereich liegt das Buch, in das man sich eintragen muss. Wir finden überall Stacheln von einem Stachelschwein. Es muss hier sein Zuhause haben. Leider können wir das Tier selbst nicht entdecken und das, wo ich doch so gerne mal eines sehen würde. Diese Höhlenseite ist ganz anders. Hier hängt viel Staub in der Luft und das atmen wird einem richtig schwer gemacht. Der Boden ist so weich, dass man regelrecht versinkt. Es gibt viel weniger Fledermäuse als auf der anderen Seite. Schon kurz hinter dem Eingang muss man durch einen engen Durchgang kriechen und kurz danach ist man bereits an der Stelle, wo die Strickleiter sich befindet. Auch von der Seite würde ich, wenn es nicht sein muss, diesen Weg nicht wagen.Wir verbringen eine weitere schöne Nacht auf unserem einsamen Platz. Es bleibt ruhig. Kein Leopard ist zu sehen oder zu hören. Am nächsten Tag räumen wir zusammen. Wir wollen in Richtung Tsodilo Hills weiterfahren. Ursprünglich hatten wir vor den Weg über die Aha Hills zu nehmen, aber da wir schon für die Anfahrt zu den Höhlen sehr lange gebraucht haben, nehmen wir davon Abstand und fahren zuerst auf der gleichen Route zurück. Später fährt Jochen dann auf eine Diagonale, die er via google map ausfindig gemacht hatte. Man kann nicht behaupten, dass dieser Weg sehr häufig benutzt wird. Stellenweise konnte man vor lauter Gras die Fahrspur kaum mehr ausmachen. Bei so hohen Gras muss man ziemlich aufpassen. Es verfängt sich im Kühlergrill und kann sich dort entzünden. Also, immer wieder anhalten, Gras entfernen, weiterfahren. Nach gut 100 Kilometern lichtet sich das Areal und bekommt regelrechten Game Park Charakter. Allerdings sehen wir in erster Linie Esel und Kühe. Trotzdem würden wir uns nicht wundern wenn wir plötzlich einen Elefanten zu Gesicht bekämen. Spuren gibt es auf jeden Fall. Nach weiteren 40 km erreichen wir dann die geterrte Straße entlang des Okavangos. Da wir an diesem Tag recht spät losgefahren waren und für diese Streckenvariante fünfeinhalb Stunden gebraucht haben steuern wir Sepupa an. Dort gibt es einen Campingplatz. Dieser ist sauber und ordentlich, aber die Plätze sind eingekastelt und nicht besonders groß. Aber es gibt Strom und die Waschhäuser sind gut. Der Preis für das Camping ist ziemlich teuer. Ganz wunderbar ist allerdings die Lage am Okavango. Als am nächsten Tag die Sonne aufgeht sind wir früh unterwegs. Der Sonnenaufgang über dem Wasser wird begleitet von Weberschwärmen, die ein bizarres Schauspiel aufführen. Es sind wohl die Mücken im Schilf, die die Vögel zu ihren Formationsflügen im Tiefflug über die Pflanzen fliegen lässt. Wir staunen und machen massig Fotos.

Lange halten wir uns allerdings nicht mehr am Platz auf. Wir wollen zu den Bergen der Götter, den Tsodilo Hills. Unterwegs geraten wir in eine Maul- und Klauenseuche Kontrolle - mal wieder. Diesmal hatten wir allerdings Pech. Da wir mit dieser Kontrolle nicht gerechnet hatten, hatten wir Fleisch in unserem Kühlschrank. Prompt mussten wir diesen öffnen. Das Fleisch wanderte in die Mülltonne (Rumpsteaks, sniff!). Ein wenig geknickt über diesen Verlust fahren wir weiter. An der Abzweigung zu den Bergen möchte jemand mitgenommen werden. Wir laden den Mann ein. Er ist ein Bewohner des Dorfes an den Hills, die wiederum Nachfahren der !Kung Buschleute und der Hambukushu sind. Für diese sind die Tsodilo Hills mysthische Berge. Man findet dort mehr als 4000 Felszeichnungen, die meisten aus einer Zeit zwischen 800 und 1200 n. Christus. Besiedelt ist das Gebiet aber schon länger als 100 000 Jahre, Es wurden Zeichnungen gefunden die auf das Fischen hinweisen und der letzte See der Makgadigadiseenplatte ist vor ca. 20 000 Jahren ausgetrocknet. Die Hügel werden von den !Kang und den Hambbukushu fast schon religiös verehrt. Das Jagen ist in der Region strikt verboten und so kann es durchaus passieren, dass man Antilopen, Leoparden, Stachelschweine und anderes zu Gesicht bekommt. Wir haben bislang allerdings nur die Begegnung mit einer Schlange beim wandern gehabt.

Unterwegs zeigt uns der junge Mann einen guten Platz zum Holz sammeln. Er hilft auch fleißig mit und es macht Spaß mit ihm unterwegs zu sein. Am Gate der Hügel verabschieden wir uns. Wir lassen uns den Weg zu der Sedibeng Campsite am Female Hill beschreiben und vereinbaren eine geführte Wanderung unter Anleitung eines alten !Kung-San Bushman. Der Platz ist sehr, sehr schön. In der Zufahrt gibt es allerdings eine tiefsandige Passage und das Waschhaus beim Haupthaus ist von diesem Platz definitiv zu weit entfernt. Macht nichts. Dafür kann man zu Fuss zu einer kleinen Anhöhe hinauf gehen, wo sich eine Höhle mit Wasserloch befindet. Ein einheimische Dorfbewohner, der in unserer Nähe mit seinem Vater campte führte uns dort hinauf. Man soll dort öfters Rockpythons zu Gesicht bekommen. Uns blieb das leider versagt.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause machten wir uns mit dem !Kung-San auf den Weg. Wir gingen den Rhino-Trail. Es war angenehm schattig und zudem ging ein leichter Wind. Der Mann führte uns von Zeichnung zu Zeichnung und erzählte die Geschichten dazu. Es war eine wirklich schöne Wanderung. Wir waren um kurz vor fünf Uhr zurück. Gerade richtig, um die von Patrick mitgenommene wilde Wassermelone zu testen. Sie schmeckte nach einer Mischung aus Gurke und Melone. Wir aßen jeder erst ein Stück pur und verarbeiteten den Rest in einem gemischten Salat. Zum Sonnenuntergang machten wir uns dann wieder zum Wasserloch auf. Was für eine Stimmung! Was für ein unendlich weiter Blick!

Die Zeit verflog wie nichts und ehe wir uns versahen war es Zeit weiter zu ziehen.

14. Juni, Landy und der geklaute Bagger

In Shakawe gehen wir einkaufen (moderner Supermarkt, Bank, alles da) und machen uns dann zur Fähre auf. Hier ist die einzige Möglichkeit in Botswana den Okavango mit einem Auto zu queren. Wir müssen allerdings eine dreiviertel Stunde warten bis wir übersetzen können. Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten. Auf der anderen Seite werden wir von einem Jungen angesprochen der nach Seronga möchte. Wir lehnen ab, da uns die Strecke bis dahin ziemlich weit vorkommt und das dann zu fünft im Auto eng wird. Jochen schreibt dazu später ins Tagebuch: Das sollten wir noch einmal überdenken, ob das so passt.

Unsere nachfolgenden Erfahrungen zeigen, dass man selbst heilfroh ist, wenn man mitgenommen wird!

Wir erreichen Seronga. Der Pooler Trust Campsite ist einfach zu finden und gut ausgeschildert. Die Leute sind sehr nett und der Platz liegt romatisch an einer Lagune (bzw. einem Seitenarm des Okavango). Abends hören wir Elefanten die zum baden gehen - nice! Auf dem Platz gibt es eine Menge Sausage Trees und man muss aufpassen, dass man nicht eine der riesigen Früchte auf den Kopf bekommt. Die Nacht im Camp wird unglaublich kalt. Wir sitzen nah am Feuer - allerdings nicht ganz so nah wie Flohschleuder, der Campingplatzhund. Dieser kriecht förmlich ins Feuer hinein. Am nächsten Tag machen wir einen Daytrip mit dem Mokoro. Der Mokoroausflug kostet hier 500 Pula pro Boot . Es ist viel günstiger als die Angebote in Maun. Es geht nach Xau Island. Landschaftlich ist es sehr schön hier. Unser Guide heißt Justin. Er fängt ganz von selbst zum erzählen und erklären an. Er macht seine Sache wirklich gut. Gesehen haben wir zweimal Elefanten (Patricks erste zu Fuß, das ist schon beeindruckend), eine Herde Zebras und eine Gruppe Warthogs. Auf dem Weg zurück durch das Wasser sehen wir noch einen sehr schönen Audi, zudem sind eindeutig Hippos unterwegs, die sich aber nicht zeigen. Man hört sie aber.

Wir verbringen noch eine Nacht im Camp. Ich gebe den Hunden (neben Flohschleuder existiert noch eine Flohschleuderin) Knochen von unserem Grillfleisch mit der Folge, dass diese uns nicht mehr von der Seite weichen. In dieser Nacht schlafen beide am bzw. halb in der Glut des Feuers.

Wir fahren am nächsten Tag in Richtung Selinda Spillway. Diese Strecke liegt äußerst abgeschieden im Inneren des Panhandle. Sie stellt die Verbindung zwischen Seronga und dem Gebiet rund um den Savuti dar. Auch das Linyanti Konzessionsgebiet wird damit erschlossen. Da am Spillway einige Jagdgebiete liegen darf man die Straße nur als Transit nutzen. Campieren ist strengstens verboten. Wir kommen durch kleine Dörfer. Rechts von uns kommen immer wieder die Ausläufer des Okavango in die Nähe der Straße. Schließlich erreichen wir das letzte Dorf an dieser Straße. Nun ist die Gravel Road zu Ende und es geht auf sandiger Piste weiter. Nach ungefähr 15 km erreichen wir das Gate zum Selinda Bereich. Wir tragen uns in das Buch ein und fahren weiter. Patrick übernimmt das Steuer von Jürg. Aber die Straße ist sehr eng im Busch, so dass ich nach kurzer Zeit übernehme. Irgendwie kommt es mir bald so vor als ob Landy kaum noch Kraft auf die Räder bringt. Nach einem kurzen Check und gemeinsamer Beratung beschließen wir umzudrehen. Es wird immer schwieriger die tiefsandigen Stellen zu durchqueren. Wir fahren bereits im 1. Gang low. Schließlich erreichen wir das Gate. Interessierte Blicke. „Was ist los?“ Wir erklären unser Problem. „The clutch is broken!“ Dummerweise geht es nach dem Gate leicht bergauf. Wir müssen die Winde einsetzen. Die kleineren Bäume geben nach (Wir kommen uns vor wie Elefanten). Mit den Verlängerungen durch den Bergegurt können wir uns mühsam hier herausarbeiten. Annette, Jürg und Patrick müssen dann aber mit Schieben weiterhelfen. Wir erreichen letztlich eine freie Stelle ohne Büsche rechts und links und schlagen unser Lager auf. Nach Einbruch der Dunkelheit passieren unser Lager zwei Gruppen von jungen Männern. Sie sind vom Dorf zum Gate unterwegs. In der Nacht hört Annette zwei Löwen brüllen. Sie wundern sich wohl was hier los ist. In Annette kommen ungute Erinnerungen hoch, aber sie behält diese für sich.

Am nächsten Morgen beladen wir Landy und versuchen loszufahren. Nichts geht! Mit schieben schaffen wir es gerade bis zum nächsten Sandloch, dann ist Schluss. Patrick und ich machen uns zu Fuß auf den Weg in das Dorf. Quer durch den Busch gehen wir rund 13 km auf einem Trampelpfad. Unterwegs kommt uns eine Gruppe Frauen entgegen. Verblüffung! Weiße - zu Fuß!! Wir erreichen ein paar Hütten und fragen nach dem weiteren Weg. Nicht einfach - man spricht hier afrikaans oder die Klicklaut-Sprache der Buschleute. Dennoch, wir erreichen das Dorf. Unterwegs haben wir Oxpeckers auf Esel und Mangusten gesehen, aber keine Löwen. Im Dorf gucken alle! Wir fragen einen Arbeiter nach Abschleppmöglichkeiten und sehen auf der Brücke den Wagen vom Selinda Gate. Und vorne drin sitzt: Jürg!!

Annette

Ja, wie kommt er denn dahin? Als Jochen und Patrick sich auf den Weg gemacht hatten, haben Jürg und ich uns es leidlich bequem im Auto gemacht und uns ein Buch zum lesen geschnappt. Nach cirka eineinhalb Stunden kommt ein Auto angefahren. Wir halten es auf. Zuerst dachten wir Jochen hat so schnell Hilfe organisiert. Aber der Mann wusste von nichts. Er war unterwegs zum Gate, sein Boss brauchte ihn. Wir erklärten ihm unser Problem und fragten, ob er uns schleppen könne. Er hatte sichtlich Zweifel. Sein Auto ist ein kleiner Toyota (natürlich 4 x 4, aber halt ein Hilux). Gegen das Gewicht eines Landys auf so schwierigen Grund wird er es schwer haben. Dennoch, der Mann sagt: „My name means in english: What can I do? So - What can I do for you? Let`s see. We will try it!“

Vorsichtig fährt er um Landy herum, macht das Abschleppseil fest und zieht. Tatsächlich, Landy bewegt sich. In mir keimt die Hoffnung auf eine baldige Lösung unseres Problems. Doch: Zu früh gefreut! Gleich darauf kommt eine längere Umfahrung mit weniger Tiefsand als die Orginalstrecke. Weniger Tiefsand reicht aber auch, um steckenzubleiben! Jetzt geht nichts mehr. What can I do muss ja eigentlich weiter zu seinem Boss. Aber er sah unser Dilemma und erklärte, dass er zurück ins Dorf fahren würde. Jürg nimmt er mit. Er könne es auf keinen Fall verantworten, dass wir eine weitere Nacht hier draußen bleiben würden. Denn !! - es sind zwei große Löwen unterwegs, er hat heute früh die Spuren ganz frisch gesehen. Jaja, denke ich mir. Ich weiß!!!

Jürg und What can I do fahren also nach Gudigwa, so heißt das Dorf. Nun bin ich ganz allein. Durch das Schleppen des Autos um einige Meter stehen wir nun inmitten von hohem Gras. Ich beschließe das Gras um uns herum zu lichten und auf den tiefen Sand eine Grasspur zu legen. Damit kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sehe ich besser was um mich herum ist (z.B. Löwen), zum anderen kommt dann das Auto leichter aus dem tiefen Sand. Trotzdem ist mir mulmig bei dieser Arbeit. Immerzu schaue ich in allen Richtungen, ob da nicht ein Tier kommt.

Jochen

Im Dorf: Jürg und What can I do sind schon im Gespräch mit einem Arbeiter auf der Schulbaustelle. Wir stoßen dazu. Nach kurzem Gespräch beschließen wir den Boss zu fragen. Dieser Chinese - der Boss - ist nicht sehr freundlich und gar nicht hilfsbereit.Er redet sich auf seinen Boss hinaus, als er Argumente sucht warum er den Bagger seiner Baustelle nicht für die Schleppaktion zur Verfügung stellen kann.

Was nun? Das war das einzige Fahrzeug, welches uns hätte helfen können. Ich versuche allein nach Seronga zu kommen. Jürg und Patrick fahren mit What can I do zurück zur Annette. In Seronga gibt es ein Telefon und wo ein Telefon ist, da kann man Hilfe organisieren. Der Ort, von dem wir erst kürzlich aufgebrochen waren, liegt ca. 70 km von Gudigwa entfernt. Ich warte am Meeting Point auf ein Fahrzeug das mich vielleicht nach Seronga mitnehmen kann. Aber es kommt keines. Nach zwei Stunden Warterei beschliesse ich zurückzulaufen. Ich habe keinen Schlafsack, nicht mal eine Jacke dabei und die Nächte werden empfindlich kalt. Wenn ich also bei Tageslicht wieder beim Auto sein möchte, muss ich los. Schließlich sind das mal eben wieder 13 km zurück. Während meiner Wartezeit war ich mit vielen Jugendlichen im Gespräch. Zwei Mädchen mit geringen Englischkenntnissen und Kicklautsprache begleiteten mich ein Stück das Dorf hinaus und erzählen allen unterwegs, dass ich nach Selinda laufe. Das ist für viele unvorstellbar weit. Auf dem halben Weg treffe ich What can I do , der mir entgegen kommt und mir anbietet mich auf dem Rückweg wieder aufzupicken. Ich beschließe trotzdem weiterzulaufen. Der tiefe Sand ist eine Tortur und ich vertreibe mir die Zeit mit dem Sammeln von Samen des Copalwood. Sie sind rot-braun und erinnern an Bohnen. Ein Junge hat mir erzählt, dass sie essbar wären (kochen und zerstampfen) und vom False Mopane seien (Ich hatte schon früher nach dem Baum gesucht und ihn nicht gefunden). Die Schritte werden schwerer und ich muss mich zwingen umherzusehen. Nicht, dass ich plötzlich in die Löwen hineinlaufe. Schließlich erreiche ich das Auto. Nach kurzer Beratung lassen wir erst einmal alles gepackt im Fahrzeug und beginnen Holz zu sammeln (angeblich sollen noch Fahrzeuge vorbeikommen). Patrick und Jürg zerteilen einen Stamm mit dem Beil und schleppen ihn zur ausgehobenen Feuerstelle.

Kaum brennt das Feuer, die Sonne ist auch schon bereits am sinken, da hören wir Motorengeräusche. Kurz darauf sehen wir den Excarvator (Bagger) mit zwei Arbeitern und deren Gesprächspartner vom Nachmittag heranbrausen.

„Schnell, schnell - ich habe den Bagger nur geklaut“, so begrüßt uns der Arbeiter.

Wir werfen alles ins Auto und Sand auf das Feuer. Dann wird das Abschleppseil an die Schaufel des Bagger gehängt und schon geht es los!

Fast vergessen wir Jürg, der noch Fotos macht. Er hechtet während der Fahrt ins Auto. Die zwei Assistenten unseres Retters sitzen auf unserem Autodach. Zweimal müssen wir unterwegs stoppen um den Bagger abzukühlen bis wir das Dorf Gudigwa erreichen und dort am „Dorfplatz“ abgestellt werden.

Die Arbeiter räumen den Bagger wieder an seine alte Stelle, damit der Chinese nichts merkt. Wir stehen da nun mitten im Dorf, sind in Sekundenschnelle von Kindern umringt. Nach einer Weile kommen unsere Retter wieder. Sie erklären, dass der örtliche Polizist uns mit seinem LKW nach Seronga schleppen könne. Allerdings ist er noch nicht von seinem Sonntagsausflug zurück. Er wird im Laufe des Abends erwartet. Wir übergeben erstmal das Bergegeld unseren Rettern (600 Pula) und die Jungs verschwinden wieder. Wir haben keine Ahnung, ob sie sich weiter kümmern werden.

Immer mehr Kinder sind in der Zwischenzeit gekommen. Es ist dunkel und die Kinder fangen plötzlich zum singen an. Sie bilden einen Halbkreis und immer wieder tritt ein Kind zum tanzen vor. Es wird viel gelacht und unsere Freude ist ihr Ansporn.

Doch nach einiger Zeit gibt das Ganze. Ein Mädchen lässt verlauten, dass es etwas süßes haben wolle. Oder andere wollen etwas. Der Versuch Annettes drei Packungen Kekse (die letzten) an ältere Jugendliche zum verteilen zu geben endet in einer Schlacht, wo wir nicht wissen, ob alle etwas bekommen haben.

Diese Aktion hat dazu geführt, dass die Kleineren sich nun zerstreuen und nur die teens zurückbleiben. Die Mädchen kichern und immer wieder hört Patrick seinen Namen. Er bekommt auch Kaufangebote was ihn fürchterlich stresst. Als dann noch ein schwerer LKW ankommt, der auf den Weg von Shakawe zu einer Lodge im Delta ist und hier in Gudigwa beim winzigen Shop kurz anhält, wird Patrick auch von Annette und Jürg verlassen, die zum shop gehen. Er lässt daraufhin auch das Auto allein und begibt sich zum shop. Als ich das bemerke gehe ich zur Sicherheit mal nachschauen. Aber alles ist in Ordnung.

Der Fahrer des LKW, ein Weißer, erzählt dass er einen airstrip im Linyanti Gebiet baut. Er würde uns ja gerne helfen, „but unfortunatly I am going that way“. Sagt es und zeigt in die Richtung aus der wir Stunden zuvor mit dem Bagger geborgen wurden. Auf den Beinen ist er schon seit 36 Stunden und er will noch so weit fahren bis er umfällt.

Als er weiterfährt hören wir den Motor noch über eine halbe Stunde lang sich durch den Tiefsand quälen.

Da kommen unsere Retter wieder. Sie wollen unser Auto auf das Grundstück des einen Arbeiters schieben. Er will uns zudem ein Zimmer in seinem Zwei-Zimmer-Haus zum übernachten anbieten. Schließlich ist es bereits 21 Uhr und vom Polizist ist nichts zu sehen. Als wir sehen, wie klein sein Häuschen ist, winken wir ab und bitten darum unsere Zelte bei ihm auf dem Grundstück aufbauen zu dürfen. Während wir unsere Zelte aufbauen zünden sie ein Lagerfeuer an und stellen Wasser für einen Tee auf das Feuer. Patrick zieht es währenddessen vor im Auto zu bleiben. Er ist inzwischen deutlich gestresst von der Situation und möchte einfach nur noch schlafen. Gerade als wir mit dem Aufbauen fertig geworden sind und uns an das Feuer setzen hören wir Motorengeräusche. Der Polizist kehrt zurück. Die Arbeiter sprechen mit ihm und er kommt zu uns herüber.

„Selbstverständlich helfe ich euch. Schließlich bin ich Polizist und es ist meine Aufgabe zu helfen. Ich kann euch morgen abend schleppen oder noch heute Nacht. Wie ihr wollt!

Wir beratschlagen kurz und kommen zu dem Schluss, dass wir gerne noch heute Nacht nach Seronga weiter wollen. Dem Polizisten macht es nichts aus, die Strecke, die er gerade erst hergekommen ist wieder zurückzufahren. Zuvor muss er aber noch seinen Truck entladen und nach über einer weiteren Stunde (Es ist nun bereits halb elf) ist er abfahrbereit. Über drei Stunden quälen wir uns nun durch die stockfinstere Nacht auf der „Wellblechpiste“. Ich lasse mich von Jürg nach ca. der Hälfte der Strecke ablösen. Um kurz nach zwei Uhr morgens erreichen wir Seronga. Der Campsite liegt verschlafen im Dunkeln. Prompt verfelt der Polizist die richtige Einfahrt und so kommt es, dass wir die letzten Meter zum Camp das Auto schieben. Da die Hunde anschlagen sind auch bald die Betreiber wach und auf den Beinen. Sie reiben sich verwundert die Augen. Waren wir nicht erst vorgestern von hier aus aufgebrochen? Wir erklären die Situation und bitten darum alles weitere morgen zu besprechen. Jetzt sind wir einfach nur noch todmüde und wollen unsere Zelte aufbauen und dann: schlafen, schlafen, schlafen!!

Am nächsten Morgen sieht alles bereits rosiger aus. Wir sind ausgeruht und bereit die Probleme anzugehen. Zuerst telefonieren wir mit der Werkstatt von Rileys in Maun. Wir erklären unser Problem und fragen nach einem Abschleppwagen. Nun muss man vielleicht wissen, dass Maun rund 450 km von Seronga entfernt liegt. Tatsächlich befindet sich dort aber die nächstgelegene richtige Werkstatt. Alternativ hätte man sich auf den Weg nach Namibia machen müssen. Rundu ist ca. genauso weit weg. Der Werkstattleiter von Rileys sagt uns Hilfe zu. Es ist zwar sauteuer einen Abschleppwagen so weit hochzuschicken und dann mit uns zurück bis Maun fahren zu lassen. Aber was sollen wir sonst machen? Als das Problem geklärt ist, machen wir uns zu Fuss auf in den Ort. Seronga besitzt ein kleines Ortszentrum in dem es eine Bar und diverse kleine Läden gibt. Der Campingplatz liegt am Ortsrand und man ist eine gute halbe Stunde auf der sandigen Piste zu Fuß unterwegs. Die Bewohner entlang der Straße staunen nicht schlecht. Weiße, die zu Fuß unterwegs sind. Das sehen sie nicht alle Tage. In Seronga ist der Tourismus noch ein recht zartes Pflänzchen und diejenigen, die hierher kommen, fahren sonst alles mit dem Auto. Sofern sie überhaupt im Ort einkaufen gehen. Die beiden Hunde der Campsite begleiten uns, als wenn es unsere wären. Unterwegs sehen wir Fische an einem Stock hängen. Da es bereits kurz vor drei Uhr ist, nehmen wir Abstand davon Fisch zu kaufen. Er hängt da mitten in der Sonne seit bedenklichen acht Stunden... In Seronga suchen wir zuerst eine Art Minisupermarkt in einem Container auf. Da an der Containeröffnung nicht so wirklich gut zu sehen ist, was der Laden alles so an Waren parat hat, versuche ich hineinzugehen. Da habe ich aber die Rechnung ohne die Ladenverkäuferin gemacht. Ich werde gebeten draußen zu bleiben und meine Wünsche zu äußern. Sie schaut dann, was sie mir geben kann. Nun, das ist nicht so einfach., wenn man nicht weiß, was es gibt. Nach einigem hin und her habe ich ein paar Dinge erstanden. Brot, so erfahre ich, gibt es in der Bäckerei, Getränke in der Bar. Aber das war klar. Diese soll um ca. 15 Uhr öffnen. Nun, wir sehen, dass es bis dahin nur noch ein paar Minuten sind. Zuerst gehen wir noch zum Bäcker. Dort bekommen wir leckeres frisches Brot. Dann schlendern wir weiter. Die Bar hat noch geschlossen, aber es warten bereits einige auf ihre Öffnung. Auch Justin ist unter ihnen. Wir unterhalten uns mit dem Guide, der ein paar Tage zuvor mit uns im Mokoro auf dem Delta unterwegs gewesen ist. In der Bar tut sich derweil nichts. Es ist nun schon halb vier Uhr und wir fragen uns, ob wir weiter warten sollen. „Es kann sein“, so erklärt uns Justin, „ dass sie nicht öffnen. Vielleicht verschläft heute der Barbetreiber.“. Dumme Sache, wir haben nämlich eindeutig Lust auf ein kühles Bier heute abend. Noch während wir beratschlagen kommt die Menge in Schwung. Der Barbetreiber ist aufgetaucht und öffnet seine Pforten. Wir warten bis wir an der Reihe sind und geben unsere Bestellung auf. Zufrieden und voll bepackt machen sich Jürg, Patrick und ich auf den Rückweg. Wie beim Hinweg werden wir von Flohschleuder und Flohscleuderin rechts und links flankiert. Sie haben uns voll und ganz adoptiert.

Auf unserem Rückweg winken bereits zaghaft manche Leute uns zu. Schließlich hat man sich jetzt schon mal gesehen. Wir erreichen das Camp, bereiten unser Abendessen zu und verbringen eine weitere Nacht auf der Community Campsite.

Am nächsten Morgen telefonieren wir mit der Werkstatt in Maun. Wir möchten gerne wissen bis wann wir ca. mit dem Abschleppwagen rechnen können. Aber, was müssen wir erfahren?

„Der Abschleppwagen ist unterwegs zusammengebrochen. Es tut uns leid, aber der kann euch nicht mehr helfen.“

„Was nun? Was kann man jetzt machen?“

„ Wir schicken euch einen Mechaniker hoch. Dieser bringt eine Kupplung mit und repariert das vor Ort.“

„Und wie kommt der Mechaniker hoch?“

„Oh, das ist kein Problem. Er fährt erst mit dem Bus nach Shakawe. Setzt dort mit der Fähre über und trampt dann nach Seronga. Wir schätzen, dass das einen Tag brauchen wird.“

Jochen stimmt dem Arragment zu, telefoniert mit dem Mechaniker, der sinnigerweise Yamaha heißt (In Wirklichkeit heißt er Mayaha, aber er nennt sich selbst Yamaha). Jochen vereinbart, dass dieser sich im Laufe dieses oder des nächsten Tages auf den Weg machen wird. Derweil diskutieren Jürg, Patrick und ich unsere Lage. Patrick hat nur noch ein paar Tage bis sein Rückflug von Maun nach Europa geht. Wir überlegen, ob es nicht einen Weg gibt, wie er erstens in sicherer Nähe von Maun sein kann und zweitens noch etwas anderes zu sehen bekommt als Seronga. Die Mechaniker-Buslösung will uns nicht so richtig schmecken. Wir befürchten, dass zwei oder drei weitere Tage ins Land gehen werden bis er da ist und zudem das Auto repariert haben wird. Jürg kommt schließlich auf die Idee bei den kleinen Flugunternehmern in Maun nachzufragen, ob wir nicht den Mechaniker einfliegen lassen können.

Die junge Frau, die an diesem Tag stellvertretend für die abwesende Chefin das Büro schmeißen muss, ist ganz verzweifelt, dass wir erneut ihr Telefon belagern. Mehrmals mussten wir ihr bereits versichern, dass wir alles bezahlen werden und dass sie uns auch unbeaufsichtigt im Büro lassen kann. So lässt sie uns alleine und geht ihren anderen Tätigkeiten nach. Jürg telefoniert derweil mit verschiedenen Charterflugunternehmen. Schon sehr bald wissen wir, dass das Chartern einer Cessna gar nicht so teuer ist. Wir können den Mechaniker bzw. die Mechaniker (Yamaha bringt noch seinen Bruder mit) einfliegen lassen und zugleich mit der Maschine Jürg, Patrick und mich zurückfliegen lassen. In Maun würden wir dann ein Mietauto nehmen und zumindest noch für zwei weitere Tage Richtung Kwai River hochfahren. So kämen sowohl Patrick wie Jürg noch zu anderen Eindrücken. Wir diskutieren diese Variante mit Jochen. Auch er findet die Idee gut und so machen wir das mit der Chartergesellschaft klar.

Yamaha freut sich, dass sie am nächsten Morgen ganz gemütlich nach Seronga fliegen werden. Bereits um neun Uhr morgens soll die Maschine landen. Wenn wir Glück haben ist dann alles in zwei Tagen wieder geritzt. Derweil organisiert Jürg nun auch noch ein Mietauto in Maun. So einfach das war ein Flugzeug zu chartern, so schwierig stellt sich die Sache mit dem Mietauto dar. Wir vereinbaren nach einigem hin und her einen Toyota RAV zu mieten. Damit dieser Deal klar geht brauchen sie Jürgs Kreditkartendetails samt Unterschrift. Die Chartermaschine hatte sich dies noch einfach am Telefon geben lassen, die Autofirma zickte rum Das Fax auf der Campsite konnte zwar empfangen, aus unerfindlichen Gründen aber nicht senden. So musste Jürg ein anderes Fax aufsuchen. Im ganzen Ort gab es noch eine Lodge mit einem Faxgerät. Jochen und Jürg machen sich auf den Weg. Eine gute halbe Stunde später erreichen sie die Lodge, wo man ihnen freundlich mitteilt, dass das Fax zwar gehen würde, sie aber kein Benzin für den Generator haben und deshalb das Fax auch nicht funktionieren würde. Unverrichteter Dinge kehren die beiden zurück. Erneut telefonieren wir mit der Mietautofirma. In der Zwischenzeit waren am Campsite zwei Männer eingetroffen, die sich als unangemeldete Besucher der staatlichen Tourismusbehörde herausstellten. Sie wollten dem Campsite einen Besuch abstatten und nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Die arme junge Frau. Keine Chefin, vier Deutsche die ihr Büro belagern, ein Franzose und eine Frau aus Zimbabwe, die auch in der Nähe des Büros „herumlungerten“. Sie warteten auf irgendeine Mitnahmegelegenheit nach Maun (Dies erfuhr Jochen aber erst am nächsten Tag). Die Frau war den Tränen nahe als die Tourismusleute auch noch Unterlagen von ihr wollten, die sie nicht finden konnte. Wir versicherten derweil den beiden Männern, dass das ein ganz vorzüglicher Campingplatz ist.

Jürg kann zwischenzeitlich die Mietautofirma davon überzeugen, dass wir ganz sicher am nächsten Tag das Auto mieten werden und auch zahlen können. Leider müssen wir das alles den Jürg machen lassen. Wir waren ja nach wie vor nicht im Besitz einer Kreditkarte. und zudem in diesem Moment auch noch ohne Führerschein. Dies alles sollte mit Barbara erst eine Woche später eintreffen.

Patrick und ich beschließen einen erneuten Walk ins Dorf zu machen. Wir brauchen wieder Brot und was zu trinken. Kaum sind wir ein paar Meter gegangen kommen von hinten die Männer der Tourismusbehörde mit ihrem Auto angebraust. Wir fragen, ob sie uns ins Dorf mitnehmen würden. Gesagt, getan, wir rutschen ein wenig zusammen und schon geht es flott voran. Unterwegs unterhalten wir uns mit ihnen. Sie erklären, dass sie diese Region touristisch entwickeln wollen und dass sie eine Art Qualitätsmanagement betreiben. Wir versichern ihnen, dass der Community Campsite wirklich gut ist, die Leute sehr nett, sehr kompetent und hilfbereit und es zudem ein schöner, gepflegter Platz ist. Das hören sie gerne. Sie lassen uns in der Dorfmitte aussteigen, wo die Leute gleich wieder ganz interessiert schauen. Aha, heute kommen die Weißen mit Leuten von der Regierungsbehörde. Ist ja interessant. Der Bäcker hat heute nicht nur Brot sondern auch eine Art Muffins gebacken. Sie reichen uns einen Beutel voll, quasi bereits abgepackt für uns. Wir nehmen ihn gerne. Auch die Bar hat bereits offen und so sind unsere Einkäufe schnell erledigt. Auf dem Heimweg, den wir nun wieder zu Fuß gehen, wird nun schon häufiger rechts und links gewunken. Man kennt sich ja jetzt schon ein wenig. Irgendwie ist das ein gutes Gefühl! Ich könnte mir durchaus vorstellen auch für längere Zeit mal in einem solchen Dorf zu leben. Dann aber natürlich ohne Mitreisende, denen dies mit Sicherheit auf Dauer zu wenig Action wäre.

Zurück auf der Campsite kochen wir uns das Abendessen und verbringen eine weitere Nacht auf diesem Platz. Am nächsten Morgen heißt es nun früh zusammenräumen. Schließlich müssen Jürg, Patrick und ich zwei Zelte mitnehmen, Kochuntensilien (das Mietauto hat kein Equipment) und unsere Taschen mit ein wenig Kleidung. Wir vereinbaren mit Jochen, dass wir uns - soweit alles klappen sollte - in drei Tagen auf dem Maun Rest Camp Platz wiedertreffen.

Nun warten wir auf das Auto welches uns zum Airstrip bringen soll. Wir sollen ja sehr pünktlich da sein, da die Gesellschaft uns vor einen anderen Flug geschoben hatte. Aber es ist kein Auto in Sicht. Dafür läutet mal wieder das Telefon am Platz und wir werden gerufen. Oh nein, denke ich mir. Was ist denn jetzt schon wieder? Kann denn gar nichts einfach mal funktionieren? Aber es stellt sich heraus, dass die Chartergesellschaft angekündigt hat, dass das Flugzeug eine Viertelstunde Verspätung hat. Das nenne ich Service!!! Davon kannst du in München bei der S-Bahn nur träumen. Es ist gut so, dass der Flieger diese Verspätung hat, denn unser Auto lässt sich auch bis zur letzten Sekunde Zeit. Als wir schließlich den Airstrip erreichen ist das Flugzeug vor wenigen Sekunden ebenfalls bereits gelandet. Im fliegenden Wechsel steigen Yamaha und sein Bruder aus und Jürg, Patrick und ich laden unser Gepäck ein (geht gerade noch so) und dürfen sofort einsteigen. Wir sehen noch aus den Augenwinkeln, dass das Campingplatzfahrzeug mit den Mechanikern losfährt, Jochen aber stehen lässt. Wahrscheinlich dachten sie, er fliegt mit uns. Jochen ruft und rennt hinterher. Da merken sie es und lassen ihn zum Glück noch mitfahren. Uns hat derweil der Pilot begrüßt und auch gleich mal unsere Statur gecheckt.

„Alle normal gebaut, da können wir fliegen wie wir wollen. Wie sollen wir fliegen? Hoch, tief?“

„ Na, es wäre natürlich schon schön, so tief wie möglich zu fliegen.“ Schließlich überfliegen wir das komplette Delta in seiner Länge. Und die Chance Tiere zu sehen ist hoch.

Der Pilot lacht und freut sich selber auf diesen Ausflugsflug. Da er fälschlicherweise verstanden hat, dass wir von einer Deltalodge kommen, überfliegt er diese besonders tief, damit wir winken können. Wir klären das Missverständnis nicht auf und müssen lachen als wir in ca 10 Meter Flughöhe über die Lodge hinwegfegen und die verdutzten Gesichter sehen. Der Pilot variiert die Flugshöhe zwischen 10 und 100 Metern. Wir sehen vereinzelt Giraffen und Elefanten. Manchmal ist auch eine Antilope zu entdecken. Ich bin erstaunt wie wenig Tiere man sehen kann. Tage später auf unserem Helikopterflug erfahre ich dann, dass man mehr in die Richtung Moremi bzw. Linyanti fliegen muss, um größere Herden zu Gesicht zu bekommen. Alles in allem ist dieser Flug wirklich sehr schön und ich bedaure Jochen, der zurückgeblieben ist und sich dem Wohl unseres Autos widmet. Die Zeit geht schnell vorbei und ehe wir uns versehen landen wir in Maun. So bagelegen wir in Seronga war, so schnell hat uns nun diese quirlige Kleinstadt und damit die Zivilisation wieder. Wir bedanken uns beim piloten mit einem guten Trinkgeld und begeben uns schnurstracks zum Autoverleiher. Dort klären wir die vertraglichen Details und bekommen wenig später den RAV. Der ist in Wirklichkeit viel kleiner als er auf den Prospektbildern rüberkommt. Wir quetschen unser Zeug in den Kofferraum, fahren einkaufen und machen uns dann auf Richtung Kwai. Solange man mit dem Auto auf einer halbwegs festen Piste fährt klappt alles ganz wunderbar. Leise schnurrt er vor sich hin und ruckzuck sind wir am Vet Gate, welches das Moremi und Chobegebiet abtrennt. Wir lassen die Abzweigung zum Moremi links liegen und fahren geradeaus weiter Richtung Mababe Village. Unterwegs habe ich die fatale Idee einen Abstecher Zum Mankwe Bush Camp zu machen, um auszuloten, ob es für eine Übernachtung geeignet wäre. Gesagt, getan. Wir biegen bei der entsprechenden Gabelung links ein. Schon nach wenigen Metern stecken wir im Sand fest. Vorwärts, rückwärts, es hilft nichts mehr. Das Auto steckt fest. Wir steigen aus und betrachten das Problem. Der Toyota RAV ist so niedrig, dass er richtig schön mittig auf dem Sandwall sitzt. Da hilft alles nichts. Wir finden keine Schaufel im Auto also müssen wir mit den Händen buddeln. Das erweist sich als eine mühsame Angelegenheit. Zum Glück habe wenigstens ich schon immer ganz gerne im Sang gebuddelt. es ist mir nicht so unangenehm, wie meine beiden männlichen Mitreisenden. Wobei Patrick sich schon bald aus der praktischen Tätigkeit des buddelns ganz verabschiedet. Es dauert rund eine Stunde bis wir das Auto wieder frei haebn. Klar ist, dass wir hier wieder rückwärts rausfahren und weiter auf der gerade neu hergerichteten Hauptroute fahren werden. Diese staubt zwar stellenweise so unsäglich, dass man im Fahrzeug schon leichte Erstickungsgefühle bekommt (Der Sand bzw. Staub dringt hinten durch die Ritzen im Heck hinein), aber man kommt sonst leicht voran. Zumindest wissen wir jetzt woran wir sind. Die Bodenabdeckung des RAV, ein unsägliches Plastikteil, hatte wohl schon beim Vormieter sich gelöst gehabt und wirkt im tieferen Sand wie eine Schaufel. Nun heißt es also möglichst solchen Situationen aus dem Weg zu gehen. Nach einiger Zeit erreichen wir Mababe Village. Wir suchen nun den Weg zum Kwai River - ein Unterfangen, dass sich als äußerst schwierig herausstellte. Erst fuhren wir ins Dorf hinein und dann links am Wasser entlang. Irgendwann muss man dieses ja mal queren können. Aber wo??? Ich wusste, dass man zum Mababe Gate des Savutigebietes über Mababe Village quasi trockenen Fusses fahren kann. Also muss es einfach eine Umgehung bzw niedrige Furt des Kwai geben. Als der Weg immer schmaler wurde und selbst für den kleinen RAV zuviel Gestrüpp rechts und links die Weiterfahrt blockierte stiegen wir aus und schauten uns um. Das Wasser war hier richtig tief. Da ist kein Durchkommen!! Also drehen wir um. Erneut in der Dorfmitte schauen wir nach einem alternativen Weg. Es gibt zahlreiche Stichpisten, aber keine schaut nach Hauptroute aus. Alternativ hatten wir auch noch die Brandschneise gesehen, die ein sandiges breites Band zog. Aber hier schauten überall Wurzeln heraus und es ist eine Frage der Zeit bis man sich daran einen Reifen aufreisst. Das kann es also auch nicht sein. Wir fragen einen Dorfbewohner. Dieser weist uns den Weg gen Norden. Die Piste wirkt unscheinbar, aber wir versuchen unser Glück. Plötzlich haben wir ein anderes Fahrzeug vor uns. Nanu, was ist dass denn? Haben die Gewehre hinten druaf? Wilderer? Bis auf den schwarzen Fahrer und einem schwarzen Begleiter befinden sich nur Weiße auf dem Fahrzeug. Breitbeinig stehen sie hinten auf dem offenen Safarifahrzeug und verstecken ganz schnell ihre Waffen als sie unser Auto sehen. Wir folgen ihnen. Nicht, weil wir das unbedingt wollen, sondern weil sie eindeutig die Route nehmen, die auch uns weiterbringt. Den Leuten ist das sichtlich unangenehm, dass wir hinter ihnen herfahren. Sie stauben uns massiv ein und versuchen Abstand zu gewinnen. Wir verlieren sie aus den Augen. Kurz darauf hören wir einen Schuss. Am Himmel sehen wir Fischadler fliegen. Da haben diese Sauhunde doch tatsächlich auf die Vögel geschossen. Im Nationalpark!! Es ist wirklich unglaublich. Wir nehmen uns fest vor am nächsten Tag, wo wir für eine Nacht in den Savuti wollen dies den Rangern am Gate zu melden. Aber erstmal müssen wir sehen, dass wir selbst vorankommen. Tatsächlich hat uns die Straße um den Kwai herumgeführt, der hier eine regelrechte Kurve vollzieht. Wir fahren nun Richtung Moremi, North Gate und sind guter Dinge den Community Campsite am Kwai River zu erreichen. Es sind schließlich nur noch rund 20 Km. Man soll aber bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Kaum haben wir uns in sicheren Gefilden geglaubt erreichen wir erneut eine tiefe sandige Stelle. Und was passiert? Ja, genau. Wir bleiben stecken. Und wie!!! Buddeln ist angesagt und unsere Laune sinkt. Dennoch kommen wir frei. Nun wird es aber wirklich Zeit voran zu kommen, schließlich neigt sich der Tag dem Ende zu. In der schönsten Abendstimmung begegnen uns Giraffen. Endlich mal ein Highlight. Aber - nie zu früh freuen. der Weg geht nun leicht bergan und wird wieder sehr sandig. Und, man ahnt es schon. Wir stecken fest. Es nervt!! Diesmal sehen wir aber wenig Chancen ohne fremde Hilfe herauszukommen. Es ist zum Haare raufen.

Wir haben Glück im Unglück. Ein Safarifahrzeug nähert sich. Es ist vollbeladen mit Gästen. Der Guide erklärt uns, dass er gerade vom Xakanaxa Airstrip käme und noch in die Mankwe Lodge möchte.

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