Reisezeitraum:
24. März bis 18. Oktober 2008

Bereiste Länder: Namibia, Botswana, Südafrika, Zambia, Malawi, Mozambique

Gefahrene Kilometer: 31 000

Fahrzeug: Landrover Defender TDI, Baujahr Dezember 1994

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Reisebericht
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Tour 2, 16. bis 31. Mai, Zambia und Botswana

Route: Livingstone, South Kafue, Kasane, Chobe, Nxai Pan, Kubu, CKGR, Maun
Die Bilder stammen dankenswerter Weise von unserer Mitreisenden Birgit Schuppe.
Unsere Bilder von dieser Tour sind leider im Anschluss an dieser Tour in Maun gestohlen worden.

Im Chobe NP, Mai 2008, Bild: Birgit Schuppe

Löwen in der Nacht auf der Campsite, Mai 2008, CKGR, Bild: Birgit Schuppe

Birgit in Chapmans Baobab, Mai 2008

Auf in den Kafue - unsere zweite Tour

Wir bleiben gleich am Flughafen. Birgit, unser nächster Gast, soll bereits eine halbe Stunde später landen. Die Maschine verspätet sich. Wir wissen nicht, ob es noch Sinn macht, gleich die Victoria Fälle zu besuchen. Als Birgit endlich angekommen ist, ist sie allerdings voller Tatendrang. Sie hatte sich schon den ganzen Flug auf den Besuch der Fälle gefreut. Annette macht sich deshalb gleich mit ihr auf den Weg. Unterwegs erklärt sie ihr, dass der Besuch eine sehr feuchte Angelegenheit werden wird und dass das von Birgit geplante Fotoshooting mit Stativ wohl ins Wasser fällt. Tatsächlich war die Gischt noch höher als am Vormittag zuvor. Von den Fällen war fast nichts zu sehen. Auch den Regenbogen, den man Vormittags so schön an der Brücke sehen kann, ist verschwunden. Birgit ist von diesem Besuch ein wenig enttäuscht, und entscheidet deshalb, noch einmal vormittags die Fälle zu besuchen. Auf dem Weg zurück zum Backpacker schauen wir uns noch die Campsite der Livingstone Safari Lodge an. Da wir noch einige Male nach Livingstone kommen werden, suchen wir nach einem ruhigeren Nachtlager. Den Abend verbringen wir allerdings noch einmal im Jolly Boys. Dan gesellt sich wieder zu uns und erzählt von seinem Besuch im Waisenhaus. Er hat kaum Bilder gemacht was Birgit sehr irritiert, aber die Kinder wollten es nicht. Wir erfahren, dass Menschen fotografieren ihre große Leidenschaft ist. Das könnte Probleme geben denke ich mir, denn viele Menschen in Botswana mögen es nicht besonders fotografiert zu werden. Aber abwarten, noch sind wir ja in Sambia unterwegs, da fehlt uns die Erfahrung.

17. Mai

Heute beginnt unser Tag sehr früh. Wir machen uns auf den Weg zum Kafue National Park. Vor der Hauptverkehrsstraße nach Lusaka wurde allseits gewarnt. Die ersten 70 km bis Zimba sollen höllisch sein. Leider haben die Leute nicht übertrieben. Schlaglöcher, eins tiefer als das andere, reihen sich aneinander. LKWs kommen uns auf der falschen Seite entgegen. Jeder versucht nur noch die Löcher zu umfahren, Verkehrsregeln gelten praktisch nicht. Unterwegs treffen wir auf Menschen, die Sand in die Löcher werfen, und sich dafür ein Trinkgeld erwarten. Irgendwie ist aber nicht ganz klar, ob der Sand Abends wieder aus den Löchern geschaufelt wird und warum nur auf 50 m Länge repariert wird. Der Benefit für uns hält sich jedenfalls enorm in Grenzen.

Ab Kalomo verlassen wir die Teerstraße. Nach der Überquerung einer schlecht gewarteten Stahlbrücke (Schlaglöcher, Rost) geht es auf einer Sandpiste, die durch tiefe Löcher und weitere kaputte Brücken geprägt wird, weiter. Entlang der 75 km finden sich unzählige kleine Dörfer, aus Lehmsteinen erbaut. Man sieht Lehmbrennöfen und kleine Lager auf Stelzen. Überall sind Menschen unterwegs. Viele fahren Rad. Die meisten Menschen sind noch Kinder oder sehr junge Erwachsene. Die Kinder kommen sofort angelaufen. Es wird teilweise gebettelt. „Give me“ und „sweety“ Rufe ertönen. Viele winken aber einfach nur. Die Radfahrer plagen sich auf der unebenen sandigen Straße gleich doppelt hart ab – die meisten Räder haben keine Bremsen! Wir kommen nur sehr langsam voran. Um kurz vor vier erreichen wir das südliche Gate des Nationalparks. Entgegen dem Reiseführer können wir allerdings noch in den Park hinein. Die Öffnungszeiten gelten bis 18 Uhr, man zahlt den Eintritt plus Campinggebühren. Leider bleibt völlig unklar, wo man campen kann. Direkt am Gate zu campen spricht uns auf jeden Fall weniger an (Obwohl Birgit gleich Freundschaft mit einigen Kindern geschlossen hatte, die sich gerne von ihr fotografieren ließen.).

Wir fahren in den Park und setzen einfach darauf eine entsprechende Stelle zum Wildcampen zu finden. Leider ist die östliche Route nicht befahrbar, da sie durch sumpfiges Gelände führt, welches teilweise immer noch auf großer Fläche tief unter Wasser steht. So halten wir uns westwärts, immer der Parkgrenze entlang. Der erste Teil der Strecke verläuft durch waldiges Gebiet. Hier lässt es sich weniger gut campen. Schließlich erreichen wir den Punkt, wo sich die Straße nach Norden wendet. Nun wird es landschaftlich abwechslungsreicher, Wald und Schilf mit sumpfigen Flächen wechseln sich ab. Wir bekommen keine Tiere zu Gesicht, allerdings auch keinen nur annähernd geeigneten Campingplatz. Zwischenzeitlich dämmert es und uns dämmert, dass wir ein logistische Schlafproblem bekommen. Aus der Dämmerung wird die Dunkelheit und die Straße wird immer schlechter. Was sollen wir tun? Im Schilf oder Wasser können wir schlecht unsere Zelte aufbauen. Notfalls müssen wir im Auto schlafen. Unser Plan sieht aber zunächst vor, das nach Aussage des Reiseführers geschlossene Luxuscamp Nanzhila Lodge anzufahren. Wo ein Camp ist bzw. war, muss ja irgendwie Platz für Zelte sein. Aber zunächst haben wir eine etwas unheimliche Begegnung. Wir sehen einen Lichstschein, der eindeutig von einem Lagerfeuer herrührt. Dieses befindet sich direkt neben der Piste. Auf der Piste steht ein Toyota und am Feuer sitzen zwei einheimische Männer – voll relaxt. Wir fragen sie, ob sie Hilfe benötigen. „Nein, nein“ winken sie ab, „wir stehen da schon seit einer Woche. Unserem Auto fehlen Ersatzteile. Wir gehören zu der Lodge (die im übrigen wieder im Betrieb ist). Von dort bekommen wir zu essen und irgendwann auch die Ersatzteile.“ Wir erfahren, dass es bis dorthin noch rund 13 km sind. Das ist eine ganz schön lange Strecke, wenn man die extrem schlechten Pistenbedingungen sich anschaut und das gänzlich fehlende Licht. Unsere normalen Autoscheinwerfer helfen in diesem unebenen Gelände nur wenig weiter. Dieses Problem beheben wir durch unseren zusätzlichen Suchscheinwerfer, den ich aus dem Fenster halte, während Joachim fährt. Nun sehen wir zumindest auf ein paar Meter rechts und links die Umgebung. Plötzlich bremst Joachim. „Leuchte mal kurz auf den Weg“, sagt er, „was liegt denn da graues vor uns?“. Ich leuchte auf diese undefinierbare Masse. Plötzlich bewegt sich diese, faucht und watschelt in voller Größe vor unserem Auto auf der Piste entlang. Es handelt sich um ein ausgewachsenes großes Krokodil. Vor Schreck wäre mir fast die Lampe aus der Hand gefallen. Es war so unvermittelt gewesen und das Kroko wirkte so groß! Nach ca. sieben Metern entschlüpft das Krokodil nach links in das hohe Schilf. Die weitere Fahrt verläuft angespannt. Es ist schon spät, als wir endlich Lichter sehen, die eindeutig zu anderen Campern gehören. Hurra, wir haben es geschafft!!

Die Camper zeigen uns, wo wir auf der Campsite noch Platz finden. Der Versuch uns in der Lodge anzumelden schlägt fehlt. An der Tür reagiert niemand auf unser Erscheinen. Also campen wir auf den vorher gezeigten Platz und gehen davon aus, dass sich am nächsten Tag schon alles regeln wird. Am nächsten Morgen kommt dann auch schon recht früh der Campmanager vorbei. Ich begleite ihn zur Lodge, wo er sich das Geld in bar ohne Quittung geben lässt. Da wir am Abend zuvor kein Wasser hingestellt bekommen hatten, erlässt er uns die Nacht und berechnet nur die nachfolgende. Zehn US $ berappen wir pro Person, das ist nicht wenig, wenn man bedenkt, dass wir für das Campen ja eigentlich bereits am Gate bezahlt hatten. Dies wiederum interessiert eigentlich niemanden.

Nach einem schönen Frühstück machen wir uns zu unserem ersten Game Drive auf. Nun sehen wir bei Licht auf welch schlechter Piste wir gestern Nacht unterwegs gewesen sind. Manche Löcher sind über einen halben Meter tief und zwingen uns außen herum zu fahren. Dafür ist die Landschaft hinreissend. Ausgesprochen abwechslungsreich, sehr grün, sehr üppig – ein Paradies für die Tiere. Tiere? Ja, wo sind die denn? Außer dem Krokodil von gestern Nacht, nach wie vor Fehlanzeige. Erst an den Wasserarmen können wir immer wieder Vögel entdecken, auch die endemische Kafue Wasserböcke bekommen wir zu unserer Freude zu Gesicht. Als wir das erste Mopane-Waldstück passieren, haben wir eine weitere Tierbegegnung, auf die wir gut verzichten könnten: Innerhalb von wenigen Sekunden sind die TseTse-Fliegen überall im Auto. Obwohl wir schnellstens die Fenster hochkurbeln gelingt es uns nicht sie draußen zu halten. Noch viele Minuten später entdecken wir immer wieder ein weiteres Exemplar, welches sich geschickt in den Furchen und Rillen versteckt hält. Die TseTse Fliege überträgt die Schlafkrankheit und verursacht ausgesprochen gemeine Stiche, die bei manchen Leuten allergische Reaktionen auslösen können. So ein Stich fühlt sich wie ein Bremsenstich an. Leider wird es im Auto bei hochgekurbelten Fenster enorm schnell sehr heiß und stickig. So kurbeln wir also fleißig rauf und runter, je nachdem, wo wir gerade unterwegs sind. An manchen Wasserarmen steigen wir aus und schauen uns das System der Fischreusen an. Es ist das erste Mal, dass wir innerhalb eines National Parks Spuren von dort lebenden Menschen sehen. Da wir auch weiterhin auf Game in größeren Mengen verzichten müssen, beschließen wir am Abend, von der geplanten Weiterfahrt Richtung Norden innerhalb des Parks abzusehen und dafür den Park am nächsten Tag auf dem Weg zu verlassen, den wir gekommen sind. Wir wollen in Botswana noch einen Tag per Tageseintritt in den Chobe National Park dranhängen.

Auf dem Rückweg begegnen wir immer wieder Menschen. Schulkinder, die wir mit Äpfel versorgen. Ein Vater mit seinen Kindern, der aufmerksam unsere Bemühungen der „Brücken“querung beobachtet. Hierbei handelte es sich um ein sehr rudimentäres Brückenkonstrukt, wo vor allen - typisch für Sambia - die Auf- und Abfahrten eine echte Herausforderung darstellen, selbst für einen Landy.

19. Mai Livingstone

Da wir nun die Strecke kannten, konnten uns die Schlaglöcher auf der Schnellverbindungsstraße Lusaka -Livingstone nicht mehr ganz so schrecken. Dennoch haben wir auch zurück eine Ewigkeit gebraucht. Ein LKW lag in einer Senke, der Unfall konnte noch nicht lange hergewesen sein.

Gegen späten Nachmittag erreichen wir in Livingstone die Safari Lodge. Wir haben einen eigenen kleinen Platz mit einem eigenen kleinen Waschhaus. Letzteres gefällt mir sehr, gibt es einem die Möglichkeit ein paar Dinge mal abzustellen und somit das Auto aufzuräumen. Birgit macht am nächsten Tag ihren Vormittags-Besuch der Fälle. Diesmal ist sie sehr angetan. Sie hat schöne Bilder gemacht, den Regenbogen gesehen und noch ein wenig am Market rumschnuppern können. Gegen Mittag machen wir uns dann auf den Weg nach Kasane.

20. Mai Kasane

Der Grenzübertritt von Sambia nach Botswana verläuft um einiges einfacher als umgekehrt. Nach nur 45 Minuten sind wir bereits auf der Fähre und dann ruckzuck wieder in Botswana eingereist. Unser Ziel ist die Chobe Lodge, die einen angeschlossenen Campsite direkt am Chobe River und am Chobe National Park hat. Wir lassen uns einen recht sonnigen Platz geben – alle anderen waren schon belegt – und Joachim und Birgit machen sich sofort auf zur Sunset Chobe Tour. Ich baue derweil in aller Ruhe unser Camp auf. Rechtzeitig zur Rückkehr von den beiden fange ich zum kochen an, so dass wir gleich ganz gemütlich zu Tische schreiten können. Die beiden sind ganz angefüllt mit all ihren Erlebnissen. Die Tour war ein voller Erfolg. Elefanten und Hippos satt. Am Campsite der Lodge tümmeln sich ebenfalls ein paar Tiere. Einige Baboons und Monkeys treiben ihr Unwesen. Zudem gibt es Warzenschweine und viele Mangusten. In der Nacht wache ich auf, weil direkt hinter meinem Zelt (welches an den Zaum zum Park steht) ein Hippo in aller Seelen Ruhe grast.

21. Mai, Chobe National Park

An diesem Tag besuchen wir den Chobe als Tagesbesucher. Man bekommt ganz unkompliziert das Permit für den Eintritt gleich am Gate, unweit unserer Campsite. Wir kommen früh an, um den Tag voll ausnützen zu können. Den ganzen Vormittag sehen wir bereits viele Elefanten, Kudus, Impalas, Krokodile und einiges mehr. Nachdem wir von anderen Leuten auf einen Riss, in der Gestalt eines toten Impalas in einem Baum, aufmerksam gemacht wurden, warten wir dort - genauso vergeblich wie all die anderen - auf den rechtmäßigen „Eigentümer“ des toten Tieres. Es muss sich um einen Leoparden handeln und alle würden ihn gerne dabei beobachten, wie er die Beute in mehr Sicherheit bringt. Uns wurde erzählt, dass er erst kurz zuvor das Impala gekillt hatte und dann gestört worden ist. Da das tote Tier so offensichtlich im Baum hing, konnte es natürlich auch andere potentiell interessierte Zeitgenossen darauf aufmerksam machen. Hyänen bedienen sich bekanntlich auch gerne mal an fremder Beute. Aber auch wie lange wir warteten, nichts passierte. Schließlich beschlossen wir einfach später noch einmal vorbei zu schauen und in der Zwischenzeit unseren Tag zu nutzen. Im Laufe des Tages kamen wir noch zweimal an die Stelle, einmal warteten wir gemeinsam mit nur einem anderen, gut verborgen, über eine dreiviertel Stunde. Nichts rührte sich. Da gaben wir auf. Kurz bevor wir den Park verließen begegneten wir erneut dem Menschen mit dem wir zuletzt dort gewartet hatten. Auch er war kurz nach uns von dem Platz weggefahren, allerdings 20 Minuten später noch einmal hin. Und was war da?? Die Beute war weg. Der Leopard muss den ganzen Tag in unmittelbarer Nähe gewesen sein. Keiner hatte ihn gesehen, aber er hat wohl die ganze Zeit uns gesehen. Als dann endlich kein Mensch mehr da war hat er die Gunst der Stunde ergriffen und sich seine Beute gesichert.

Am Nachmittag waren wir vor allem am Ufer des Chobe unterwegs gewesen. Die Sonne neigte sich bereits, als wir einer Herde von Elefanten unbeabsichtigt den Weg abgeschnitten hatten. Auf einer Uferbank hatten wir einer anderen Gruppe Elefanten beim Bad im Sonnenuntergang zugesehen. Als wir das Fahrzeug wendeten, um zu unseren Bedauern den Heimweg anzutreten, befanden wir uns plötzlich 15 Elefanten direkt gegenüber. Die Herde passierte uns rechts und links vom Fahrzeug, zum greifen nahe. Sie hatten uns zuvor noch ausgiebig beschnüffelt und dann eine Elefantenkuh als Wächterin vor das Auto abgestellt. Dann passierten zuerst die Jüngeren, gefolgt von zwei Mutterkühen, deren Babies gleichzeitig an der Brust tranken. Nebenbei wurde kräftig mit Sand geworfen. Beim letzten Elefanten dachte ich mir noch, dass dieser seinen Rüssel ins Auto strecken wird. Er ließ es aber dann doch bleiben.

Diese Elefantenbegegnung bildete den Abschluss dieses aufregenden Tages.

22. Mai Kasane

Der Aufbruch Richting Nata verzögert sich. Birgit sucht noch nach einer Möglichkeit ihre Bilder auf eine DVD zu brennen. Dies gestaltet sich schwieriger als zu vermuten war. Der eine konnte nur CDs brennen, der andere konnte zwar DVDs, aber irgendwas mit der Sotware haute nicht so hin. Die Zeit verging. Nach einiger Zeit kommt Birgit nun doch zu ihren gebrannten Bildern. Wir verlassen Kasane und fahren Richtung Nata. Hatten wir zuvor über die schlechten Straßenverhältnisse in Sambia gestöhnt gehabt, mussten wir nun zu unserem Schrecken feststellen, dass die Straße nach Nata kaum besser ist. Schlaglöcher ohne Ende, entgegenkommende Laster, die ohne Rücksicht auf PKWs ihre Spur suchen. Stark abfallende Seitenränder, die das Auto manchmal in Ausweichmanövern in ganz schöne Schräglage bringen. Rund zwei Stunden verbringen wir auf dieses schlechten Straße, dann wird es allmählich besser. Und das ist gut so. Schließlich liegen vor uns noch einige Kilometer bis zum Planet Baobab Camp inmitten der Pans. Da ab Nata die Straße Richtung Maun aber in einem sehr guten Zustand ist, konnten wir doch das Camp ziemlich locker vor Sonnenuntergang erreichen. Wir bauen unsere Zelte auf und erfreuen uns an dem wunderschönen Platz, den wir haben.

23. Mai Nxai Pan

Um 10 Uhr haben wir alles zusammengepackt und brechen in den Nxai Pan Nationalpark auf. Wir tanken noch rasch und sind eine Stunde später an der Abzweigung zum Park. Dies Piste zum Gate ist zwar stellenweise tiefsandig gehört aber entegegen eines Reiseführers nicht zu den schlechtesten Botswanas. Der Fahrer eines Hilluxes, der sich im Sand festgefahren hatte, weigert sich beharrlich von uns Hilfe anzunehmen und sich aus dem Sand herausziehen zu lassen. Er möchte lieber seinen Spaten einsetzen, ist wohl so eine Art Sache der Ehre. Why not, es ist ja erst 11 Uhr und bereits schnucklig warm. Der Blick seiner Frau allerdings verrät, dass sie gerne auf unser Angebot zurückgekommen wäre, aber da musste sie jetzt mit ihrem Mann durch...

Im Park, sagen sie uns noch zum Abschied, wäre nicht zu sehen.

Kann kaum sein, denken wir uns, hatten wir doch bereits auf dem kurzen Weg Steinböcke und Oryxe gesehen. Wir müssen noch einige Sandlöcher umfahren und erreichen dann das Gate. Beim Einchecken müssen wir erst mal feststellen, dass wir einen Tag zu spät dran sind. Aber das macht weiter nichts, wir dürfen auf einen Reserveplatz, den uns ein Ranger persönlich zeigen soll. Während wir auf ihn warten, bittet uns der Ranger am Gate doch mal schnell einen Blick auf seine Projektbeschreibung zu werfen, die er im Rahmen einer Weiterbildung angefertigt hatte. Das Department auf Wildlife hatte sie ihm mit einigen Anmerkungen und Korrekturen zurückgeschickt, vor allem war es zu wenig ausführlich. „ Was soll ich schreiben?“ fragt er uns, „könnt ihr mir helfen?“.

In seiner Projektbeschreibung sollte er einen Campingplatz in der Nähe von Serowe entwerfen und weiterentwickeln. Keine einfache Aufgabe. Wir gaben ihm ein paar Tipps, was man nach unserer Meinung noch genauer beschreiben könnte. Er war ganz happy und machte sich eifrig Notizen.

Dann kam der andere Ranger und brachte uns zu unserem Platz. Eine Gruppe Südafrikaner hatte den offiziellen Site und wir siedelten uns im Rücken des kleinen Waschhauses am Fuße eines großen Termitenhügels an. Am Rande des Waldstückes befand sich eine Baustelle, neue Waschhäuser werden auch hier gebaut, die das spartanisch bestehende ablösen soll. Auch das Rangercamp war eine große Baustelle. Schöne großzügige Häuser entstehen dort.

Die Campsite liegt schattig unter großen Bäumen, am Rande einer großen Pan. Bauminseln unterbrechen die Weite, bieten dem Auge aber viel Abwechslung. Am Nachmittag unternehmen wir unseren ersten Gamedrive zum nahegelegenen Wasserloch. Wir sehen zwei Elefanten und zwei nervöse Giraffen. Letztere trauen sich nicht zu trinken. Irgendwie haben sie Angst vor den Elefanten. Mal wieder erleben wir einen schönen Sonnenuntergang und machen uns in der Dämmerung auf den Rückweg zum Camp. Dort haben die Südafrikaner bereits ein riesiges Feuer entzündet. Und weil sie nun so weit auseinander sitzen, müssen sie sich fast schreiend unterhalten. Gut, dass wir kein Afrikaans verstehen. Die Putzfrau aus dem Rangercamp darf ihren Abwasch machen. Lautstark verkünden sie, dass hier die saubersten Toiletten Botswanas wären. Die Art wie sie da sagen, legt nahe, dass sie noch nicht viel von Botswana gesehen haben. Sonst wüßten, dass die meisten Waschanlagen sauber sind sofern sich die Gäste entsprechend verhalten. Unsere Vermutung war allerdings, dass diese Bemerkungen die Frau vom Camp motivieren sollte mehr für sie zu machen.

Nach dem Frühstück machen wir uns zur Kgama Kgama Pan auf. Wir fahren am Ostrand des Parkes entlang durch viel Gestrüpp. An einem Wasserloch schrecken wir vier Elefanten auf, die gerade beim Duschen waren. Es handelt sich um die größten Bullen, die wir bislang in Afrika gesehen haben. Leider scheinen sie übel gelaunt zu sein und laden deshalb nicht zum verweilen und beobachten ein. Die Pan selber ist leider leer. Zurück geht es über das alte, inzwischen geschlossene North Camp. Dort läuft eine Pumpe. Wo das Wasser hinläuft erschließt sich uns aber nicht. Ein Paar Geier kreisen, sie sind aber am aufsteigen und von einem Riss ist keine Spur. Gegen Abend machen wir uns noch einmal auf den Weg, sehen erneut ein Paar Elefanten am Loch und ein Paar Löffelhunde. Bei der Rückfahrt zum Camp taucht plötzlich ein ganz junger Schakal auf. Ohne Scheu nähert er sich dem Auto, schnuppert und stößt dann seinen langgezogenen Ruf aus. Irgendwie klingt es wie Mama. Die anderen Schakale antworten ihm einer nach dem anderen. An diesem Abend haben wir das Camp ganz für uns alleine.

Am nächsten Tag verlassen wir das Camp am frühen Vormittag, da wir unbedingt einen Abstecher zu den Three Sisters machen wollen. Diese Baumgruppe, bestehend aus riesigen Baobabs erlangte große Berühmtheit als der Romantiker Thomas Baines sie auf seinen Bildern verewigte. Um zu ihnen zu gelangen muss man zuerst ein Stück des sandigen Weges zwischen Gate und Parkanfang zurücklegen. Mittendrin findet sich dann die Abzweigung. Der Weg wird deutlich besser befahrbar und die Landschaft weitet sich zu einer wunderschönen gelebn Grassteppe. Schon bald überquert man kleinere Pfannen und erreicht dann schließlich den Rand einer größeren Salzpfanne. Dort befinden sich die Baobabs. Wir sind uns alle einig, der Ausflug hierher hat sich gelohnt. Es bieten sich schöne Ausblicke und wir machen ein Picknick mitten auf dem Salzsee.

Central Kalahari Game Reserve, 25. - 28. Mai

Wir können uns nicht zu lange aufhalten, da uns der Weg an diesem Tag noch in das Central Kalahari Game Reserve führen soll. Unterwegs wollen wir in Motopi noch ein wenig einkaufen gehen. Dies erweist sich aber als Flop. Es herrscht tote Hose, nicht mal Brot gibt es. In Rakops schließlich gibt es Brot und all die anderen Sachen, die wir für die nächsten Tage dringend brauchen. Einzig die Tankstelle ist verweist. Kein Diesel!! Die nächste Tankstelle, die auch Diesel führt liegt schlappe 70 km entfernt. Wir rechnen und überlegen: Eigentlich sollte unser Vorrat an Diesel reichen. 525 km haben wir ca. zu fahren, 20 Liter sind im Tank und auf dem Dach haben noch einmal 3 x 20 Liter. Wir wägen ab und beschließen, dass das reichen muss. Als Konsequenz aus dieser Verknappung streichen wir allerdings das Passarge Valley aus unserer Route. Außerdem wollen wir erstmal den Tank leer fahren und dann Kanister für Kanister nachfüllen, so haben wir die Chance den Überblick zu bewahren.

Auf dem Weg zum Gate findet sich leider viel Müll. Er hängt in den Bäumen und seitlich im Gebüsch fest. Der Mülllaster, der den Abfall vom Gate abholt, hatte wohl zerrissene Tüten transportiert. Wir hoffen, dass der Müll wieder eingesammelt wird. So macht es eher einen traurigen und trostlosen Eindruck und wird der Vorfreude, die wir sonst empfinden, wenn wir zum CKGR unterwegs sind, nicht gerecht. Wir erreichen am Nachmittag das Gate, erledigen die Formalia und fahren im Park zu unserem Camp Site Kori II. Es ist das erste Mal, dass wir hier an der Deception Pan campieren. Wir sehen große Herden Gnus und Oryxe und freuen uns auf den Abend. Auf unserem Platz sind zudem Löwenspuren zu entdecken. Allerdings hören wir den ganzen Abend keinen einzigen Laut einer Raubkatze.

In der Früh räumen wir zusammen und brechen in Richtung Piper Pan auf. Wir sehen große Oryx- und Springbockherden. Plötzlich entdecken wir einen Honigdachs. Mitten am Tag! Er lässt sich von uns nicht stören. Wir schauen ihm eine halbe Stunde zu, wie er eifrig Quadratmeter für Quadratmeter umbuddelt, immer auf der Suche nach Engerlinge und andere Bodenbewohnern. Es dauert nicht lange und wir entdecken erneut einen Honigdachs, diesmal direkt neben dem Auto. Es muss an dem Wetter liegen, dass diese Tiere plötzlich so sichtbar werden. Wir halten natürlich neben dem Dachs an. Der schaut nicht mal hoch. Eifrigst hält er eine Pfote im Loch und grabt und wühlt darin rum. Entzückt schauen wir ihm dabei zu und fotografieren eifrig. Doch was ist das. Kommt uns doch tatsächlich ein Fahrzeug entgegen. Es sollte eines der vier Autos sein, die wir in den vier Tagen im CKGR zu Gesicht bekamen. Dieses Auto fährt auf jeden Fall links an uns vorbei und stoppt. Bevor sie sehen, was wir sehen, kommt ein weiteres Auto angefahren. Ja, sind wir hier auf der Autobahn? Der Fahrzeuglenker fährt nicht einfach seinem Freund hinterher. Nein! Mit vollem Schwung setzt er an uns auf der rechten Seite vorbei. Der Honigdachs kann gerade noch die Flucht ergreifen, sonst wäre er tatsächlich von diesem Idioten überfahren worden. Der Fahrer, blond, groß, gebleckte Zähne, Typ Superheld, aber doof (nackter Oberkörper) checkt auch nach unserer Missfallensbekundung nichts. Leider ist er in der Lage die Äußerung von Birgit auch inhaltlich zu verstehen, denn - er spricht deutsch. Es ist manchmal wirklich zu peinlich Landsleuten zu begegnen.

Wir fahren weiter. Am Letiahau Wasserloch gibt es Wasser und dementsprechend viele Tiere. Überhaupt sind wir begeistert davon so große Herden zu sehen. Unsere letzten Erlebnisse in dem CKGR waren eher durch Einzelsichtungen geprägt gewesen.

Es wird Zeit das erste Mal nachzutanken. Landy ist mit dem Rest im Tank noch 105 Meilen gefahren. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unserem Vorrat hinkommen werden. Am späten Nachmittag erreichen wir die Piper Pan. An der vorderen Pfanne ist nichts los, dafür ist die hintere Pfanne gut belebt. Es gibt Springböcke, ein paar Oryxe und eine größere Gnuherde (47 Tiere). Letztere verbringen den Abend vor unserer Campsite. Wir machen einen kleinen Abenddrive. Am Wasserloch stehend scanne ich mit dem Fernglas die Pfanne. Plötzlich taucht im Gras ein Katzenkopf auf und verschwindet wieder. Dafür sehe ich jetzt den Schwanz. Die Mädels schauen jetzt auch, keine sieht was, keine glaubt mir.

Beim Weg zurück zum Platz begegnen wir einen heimischen Safariguide, der ein sichtlich entspanntes älteres Pärchen als Gäste dabei hat.

„Habt ihr was gesehen?“

„Nein, nichts außer den üblichen Verdächtigen, wie Oryxen, Springböcken und Gnus. Ich hab vielleicht auch eine Katze gesehen, aber sicher bin ich mir nicht.“

„Wir haben heute morgen auf dem Weg vom Khutse hier rauf drei Geparden gesehen. Sie waren unterwegs und wir konnten sie nicht lange beobachten“

Geparden, da wird Annette natürlich gleich ganz hellhörig. Bislang haben wir Geparden nur in eher unnatürlichen Lebensumfeldern gesehen gehabt (z.B. auf einer namibischen Farm), aber noch nie sind sie uns in wirklich freier Wildbahn begegnet.

„Wie weit weg war das denn mit den Geparden?“, fragt sie.

„Das war von hier gut 40 km oder mehr entfernt.“

Enttäuscht schaut Annette drein. Keine Chance sie nach dieser Beschreibung zu finden.

Wir kehren zu unserem Platz zurück. Die anderen sind unsere „Nachbarn“, d.h. sie campieren auf der Site Piper Pan II, über einen Kilometer von unserer entfernt gelegen.

Der Abend wird geruhsam. Trotzdem zeichnet sich schon ab, dass Birgit von der Idee eine weitere Nacht in der Piper Pan zu bleiben nicht so angetan ist. Sie findet es eindeutig zu langweilig hier. Wir halten dennoch an unserem Plan fest. Schon länger hatten wir uns vorgenommen gehabt an diesem Ort wenigstens mal für zwei Nächte zu bleiben, die Szenerie auf sich wirken zu lassen, Zeit zu haben und nicht gleich wieder zusammenpacken zu müssen.

Der nächste Tag wird dann auch beschaulich. Wir umfahren die erste Pan, finden aber wieder nur vereinzelte Tiere. Beim Abendgamedrive am Wasserloch schließlich ereilt uns ein Platten. Die Stimmung sinkt.

Wir sitzen an diesem Abend nicht allzu lange am Lagerfeuer. Schade, denke ich Annette, mir noch. Ich hatte mich so gefreut gehabt auf diese ganz besondere Stimmung hier im CKGR. Früh schlupfen wir in unsere Schlafsäcke und das erweist sich als gut so. Denn die Nacht ist bereits um vier Uhr morgens zu Ende.

„Hörst du das?“, frage ich Joachim, „Da kommen doch Löwen.“

„Ach was, das klingt wie Strauße“, Joachim ist nicht wirklich wach und möchte es auch nicht werden. Ich liege im Bett und lausche angestrengt den Geräuschen der Nacht. Da, da war es wieder. Diesmal viel nährer, um nicht zu sagen sehr viel näher!!

„Das sind Löwen! Und sie kommen direkt zu uns!“.

Ok, Joachim war nun überzeugt. Jetzt waren wir beide wach und lauschten in die Nacht
Es dauerte nicht lange und der erste Löwe kam direkt auf den Platz. Das Mondlicht war fahl und das Tier war gut zu erkennen. Der Löwe interessierte sich für den Wassersack, der prall gefüllt mit 20 Litern Wasser im Baum hing. Ein Haps, und der Schweizer Wassersack - laut Beschreibung des Militärs: UNKAPUTTBAR - hatte eine Ecke weniger. Zwanzig Liter Wasser schossen heraus. Der Löwe erschrak mächtig und machte einen Satz nach hinten - direkt vor unseren Zelteingang. Zwischenzeitlich waren zwei weitere Löwen aufgetaucht, die nun, wie der erste versuchten das Wasser aus der sich schnell füllenden Pfütze zu lecken. Aber da hatten sie die Rechnung ohne den offensichtlichen Boss der Dreierbande gemacht. Nur er durfte da ran. derweil stellte sich einer der anderen beiden direkt vor unseren Zelteingang und schaute interessiert hinein. Ich dachte, mir bleibt mein Herz stehen. Er schaute mir direkt in die Augen bzw. ich ihm. MAN SOLL DAS NICHT TUN! Das kam mir sofort in den Sinn. Raubkatzen können das ganz schnell als Aggression missinterpretieren. Aber was sollte ich tun? Jochen uind ich saßen wie festgenagelt in unserem Zelt. Mein Herz schlug bis zum Hals, meine Brille funkelte und reflektierte und der Löwe muss schon ziemlich doof sein, wenn er nicht checkt, dass da zwei kleine Menschlein im Zelt sitzen. Die Sekunden verstrichen, nach ca. einer halben Minute wandte der Löwe seinen Blick wieder ab und mit viel größerem Interesse unserem Spaten zu. Wenn der „Boss“ schon den Sack und das Wasser hat, dann will er auch etwas. Also der Spaten. Wir schauten fasziniert zu, wie er den Griff versuchte in sein Maul zu bekommen. Nach einigem Hin und Her hat er ihn soweit ausbalanciert, dass er damit stolz davon traben konnte. Da ging es dahin, die einzige „Waffe“, die wir in Reichweite hatten. Nun gab es ja auch noch einen dritten Löwen. Dieser wollte selbstverständlich auch nicht mit leerem Maul dastehen. Also, ganz schnell mal einen Stuhl gepackt und weggezehrt. Dies sah beileibe nicht so elegant aus, wie die Aktion mit dem Spaten. Woher hätte der Löwe auch wissen sollen, das man den Stuhl zuerst zusammenklappt? So trug er ihn nur ein paar Meter weiter ins Gebüsch, wo er ihn einfach fallen ließ. Aber: Beute ist Beute!!

Die Löwen hatten eindeutig Zuneigung zu unserem lauschigen Plätzchen gefasst. Quasi ein Löwenspielplatz. Feine Sache!! Über drei Stunden tollten sie hier umher. derweil sank unsere Stimmung auf den Tiefpunkt. Zu offensichtlich wollten die Löwen es sich hier für den anbrechenden Tag bequem machen. Zu offensichtlich hatten wir damit ein Problem. Nicht nur, dass sich bei mir inzwischen eine Angst festgesetzt hatte, die mich völlig lähmte. Ich hielt es durchaus für wahrscheinlich, dass sie auch auf die Zelte gingen, nicht wegen uns, sondern aus reiner Herumtoberei. Ja, und es machte mir Angst. Höllisch Angst. Wir hatten nichts, um uns zu schützen. Zusätzlich beschlich uns langsam das dumme Gefühl, dass auch die Blase irgendwann ihr Recht einfordern wird, und überhaupt, wie soll das jetzt weitergehen??

Zum Glück hatten wir inzwischen Zeichen- und Gebärdenkontakt mit Birgit im anderen Zelt aufgenommen. Sie war schließlich ganz alleine da drinnen. Sie nutzte die Situation, um Bilder zu machen. Photos über die wir uns jetzt natürlich riesig freuen, in dem Moment selbst allerdings empfand ich es als durchaus gefährlich. Das Klicken des Auslösers, das um einen Spalt geöffnete Zelt, das herauslugende Objektiv. Hoffentlich, so dachte ich mir, kommt kein Löwe auf die Idee dieses „Spielzeug“ näher betrachten zu wollen.

Es war schon längst hell, als Jochen beschloss diesem Spuck ein Ende zu bereiten. Er musste zum Auto, uns einsammeln und dann die Löwen verjagen, so der Plan. Einzig, das Auto stand rund 15 Meter entfernt. 15 Meter, die es zu überwinden galt. Da der Platz über drei Zuwege von der Hauptpiste verfügte, war ein ständiges Kommen und gehen der Löwen die letzten Stunden der Fall gewesen. Die Piste selbst war von uns aus nicht einsehbar, allerdings konnte Birgit auf zwei Zuwege und wir auf den dritten bei ihr sehen. So gab es zumindest die Chance das Areal in einem Umkreis von rund 10 Meter Durchmesser als Löwenfrei übersehen zu können. Als ein solcher Moment eintrat, nahm Jochen all seinen Mut zusammen und verließ möglichst leise das Zelt. Er ging langsam in Richtung Auto. Immer noch waren die Löwen nicht in unserem Blickfeld. Vorsichtig öffnete er die Autotüre und schwang sich hinein. Autotür zu - gesichert!! Jetzt galt es uns Frauen einzusammeln. Aber wo war der Autoschlüssel? Er steckte nicht! Zum Glück fand er sich in der Jackentasche. Jochen ließ das Auto an, fuhr bei Birgits Zelt vor, ließ sie einsteigen, das gleiche dann bei mir. Gerettet!! Alle drei sicher im Auto nahmen wir den nächsten Zuweg und schauten, hinter welchen Busch denn gerade unsere „Freunde“ sich befanden. Da lagen sie. Direkt am Ende des Zuwegs im Gras. Irritiert schauten sie auf. Wo kam denn das grüne Monster plötzlich her? Wiederwillig standen sie auf und begaben sich in die Wiese. Stück für Stück entfernten sie sich, sie liefen nun zum Wasserloch, welches rund 500 Meter entfernt lag. Wir ihnen auf der Piste hinterher. Nun hatten wir alle in Ruhe Zeit Bilder von der Dreierbande zu schießen, vor allem hatten wir nun Zeit unseren Adrenalinspiegel wieder runterzufahren. Und das war dringend nötig!!!
Etwas später kehrten wir zu unserem Platz zurück. Wir fanden im Gras den Stuhl und nach längerem Suchen auch den Spaten. Dieser hat einen netten Gebissabdruck des Löwen, sozusagen Lion-proofed. Nach einem Frühstück packen wir zusammen und machen uns auf den Weg in das Deception Valley. Eine letzte Nacht im CKGR hatten wir auf der Kori Pan gebucht. Der Tag verlief ruhig. Wir folgten 13 km lang (!) der Spur der drei Löwen, die uns nachts heimgesucht hatten, sahen unterwegs Oryxe und Springböcke, Gnus und Honigdachse. Auch die Nacht verklief friedlich und wir konnten unser Schlaf-Defizit ausgleichen. Am darauffolgenden Morgen trinken wir unseren Kaffee, als ich ein wohlbekanntes Geräusch ganz in der Nähe höre.

„Ich will ja nichts sagen, aber da sind schon wieder Löwen!“

Die anderen beiden lauschen. Tatsächlich, da war es wieder.

„Schnell“ sagt Jochen, „Frühstücken können wir später. Wir schauen, was diesmal geboten ist. Aber aus der sicheren Perspektive des Autos.“

Gesagt, getan. Schon nach rund 150 Metern finden wir die Ursache des Geräusches. Eine Löwenfamilie hatte da des Nachts einen Riss gemacht (und das hatten wir nicht gehört gehabt!!). Schakale erfreuten sich zwischenzeitlich daran. Die halbwüchsigen Löwenkinder lagen brettelbreit auf der Fahrspur. Von den Eltern war erst nichts zu sehen. Doch dann kam „Papi“. Seine Töchter schmiegten sich in einer kurzen Geste an ihn und legten sich dann wieder ab. Da lagen sie aufgereiht hintereinander auf dem Weg. Wir schauten noch eine ganze Weile zu und fuhren schließlich zum Platz zurück: Frühstücken, zusammenpacken. Schließlich wollten wir an diesem Tag noch bis Kubu Island fahren, was durchaus ein ordentliches Streckenpensum darstellt. Nachdem wir soweit fertig waren statten wir den Löwen nochmal einen kurzen Besuch ab. Sie lagen inzwischen auf der Zufahrt der zweiten Kori Camp Site. Soviel zum Thema eines bekannten Reiseführers, demnach Löwen so gut wie nie auf eine Campsite kommen. Wir hatten sie jetzt an zwei verschiedenen Plätzen innerhalb von zwei Tagen gesehen...

Löwen hin, Löwen her. Nun geht es weiter. Am Gate berichten wir den Rangern kurz, was uns in der Piper Pan wiederfahren ist. Sie glauben uns nicht, bzw. sie sind der Auffassung, dass wir Hyänen mit Löwen verwechseln. erst als sie die Bilder sehen sind sie überzeugt. „So etwas“ meint die Rangerin „ hat sie in all den Jahren noch nie gehört gehabt“. Na, da konnten wir doch mal wieder eine neue zu erzählende Geschichte über Spatenklauende Löwen einbringen.

Gweta und Maun, 28.5.- 1.6.

Weiter geht es nun die Straße runter bis zum Abzweig nach Kubu durch die Salzpfannen. Wir waren hier schon so oft, dass wir es nicht für möglich gehalten hätten, dass wir uns in dem Gelände verfahren könnten. Aber, es ist passiert. Bei einer entscheidenen Abbiegespur sind wir geradeaus weiter. der Tag neigte sich dem Ende zu, wir wollten unbedingt zum Sonnenuntergang auf Kubu Island sein. Wir fuhren und fuhren und merkten sehr wohl, dass wir unfreifillig eine andere Anfahrt nach Kubu genommen hatten. Keine Chance mehr bei Tageslicht die Felseninsel zu erreichen. Also stoppten wir zwischendurch, auch hier gab es schöne Baobabs und Birgit konnte zumindest ein paar Bilder machen. Im Dunkeln fuhren wir dann weiter und erreichten eine halbe Stunde später Lekhubu. Im Gegensatz zum letzten Mal war diesmal nicht viel los. Wir suchten uns ein schnuckeliges Plätzchen und genossen den Abend.

Am nächsten Tag ging es zu unserem vorletzten Etappenziel dieser Reise. Diesmal fanden wir den Chapmanns Baobab auf Anhieb. Und sogar Greens Baobab, den wir bei der Tour 1 vergeblich suchten, ließ sich diesmal von uns finden. Aber wir können getrost allen Lesern sagen: Wenn ihr ihn nicht findet, ist es auch nicht so schlimm. Von allen großen und imposanten Baobabs ist er der uninteressanteste. Er liegt eingezäunt in einem eher verbuschten Areal.

Über eine der vielen, vielen Spuren finden wir schließlich erneut nach Gweta.


Gegen Nachmittag erreichen wir erneut das Planet Baobab Camp. Bei unseren letzten Besuch hatten wir bereits eine Reservierung für den Platz Nummer Vier vorgenommen. Dieser liegt schräg gegenüber dem Waschhaus und hat ansonsten freies Gelände zwischen Site und Anlage. Wir bauen in Ruhe unsere Zelte auf und starten auch schon mal unser Lagerfeuer. Plötzlich biegen zwei große Overlandertrucks auf den Campsite Eins ein. Der erste kommt zum stehen, der zweite fährt weiter und stellt sich direkt vor uns auf den freien Platz. Noch hoffen wir, dass er nur zum abladen oder warum auch immer hier stehenbleibt. Und tatsächlich steigen eine ganze Menge an Leuten aus, die Unmengen an Zelten und Matten und Koffern aus dem Fahrzeug holen. Die Zelte werden zu unserer Erleichterung auf den Einser-Platz geschleppt. Aber all die Stühle werden in gerade mal fünf Meter Entfernung von uns aufgebaut. Ein Mitarbeiter der Truppe schichtet auch bereits das Holz auf. Wenn man das Gelände kennt, weiß man, dass es viel Platz auf den einzelnen Sites gibt. Der andere Bus hatte eh schon Eins und Zwei okkupiert, der Dreier Platz wäre aber noch ganz frei gewesen. Warum diese Gruppe sich nun ausgerechnet auf dem einzigen Platz, der keine Campsite war, breitmachen musste, war uns ein Rätsel und ein Ärgerniss. Die Gruppe junger Amerikaner war mächtig busy, es war ein ständiges kommen und gehen, rufen und lachen. Irgendwie sah das nicht nach einem schönen Abend unter Sternenhimmel aus. Da ich eh noch in die Rezeption musste fragte ich dort auch gleich nach, warum diese Overlandergruppen nicht auf den extra am anderen Ende der Anlage ausgewiesenen Overlander-Platz untergebracht wurden. Wir erfuhren, dass sie sich geweigert hatten auf diesen Platz zu gehen. Und natürlich war es nicht vorgesehen, dass der freie Platz zum Waschhaus von ihnen vereinnahmt wurde. Der Manager, sichtlich verägert über das Verhalten der Overlander, versprach mit der Truppe zu sprechen. Es sollte wenigstens sichergestellt werden, dass nicht noch nach Mitternacht Lärm gemacht wird. Gegen neun Uhr abends kam plötzlich der Guide der Gruppe zu uns. Er sei vom Manager angesprochen worden, dass das nicht ok ist, wenn sie sich auf diesen Platz stellen würden. Also, wenn es uns stört, dann könnten wir ja gehen. Äh, Moment mal. Wir waren doch zuerst da. Ja, meint er, das kann schon sein, aber sie sind 16 Leute und wir nur drei. Ist doch klar, dass für uns ein Umziehen viel einfacher wäre.

Schnell war uns klar, dass man mit diesem Guide nicht wirklich diskutieren konnte. Aus den Blickwinkeln mancher Overlanderunternehmen gehören Plätze grundsätzlich ihnen. Jeder hat auch hinzunehmen, dass sie laut sind, die Motoren stundenlang warmlaufen lassen und nachts um zehn lautstark den Abwasch machen. Dieser hier gehörte eindeutig zu der Kategorie. Es war ärgerlich, aber nicht zu ändern. Trotzdem war ich am nächsten Morgen schlechtgelaunt, als der Koch bereits um fünf mit sämtlich gebotenen Lärn anfing Kaffee und Frühstück vorzubereiten. Selbstverständlich wurde dann auch der Motor zum warmlaufen gestartet. Wir waren heilfroh, als die Truppe endlich weg war.

Unser Tag sollte nämlich ein Relaxtag werden. Angesagt war einerseits eine Village Tour von Birgit, die sie alleine mit einem Guide unternahm, anderseits wollten wir Eintragungen im Laptop vornehmen, uns an dem schönen Pool aalen und einfach mal einen Tag lang entspannen.

Am Nachmittag machten wir uns zu einem Spaziergang an den kleinen See auf, der in unmittelbarer Nähe zum Camp liegt. Dort sollten erst am Vortag Elefanten gesichtet worden sein. Obwohl wir länger warten, ist weit und breit kein Elefant zu sehen. Na, macht auch nichts. Wir begeben uns zum Platz zurück und haben diesmal einen wirklich schönen Abend am Lagerfeuer!

Am Tag darauf geht es nun wieder einmal nach Maun. Birgit wird dort noch eine Okavango Mokoro Tour mitmachen und wir haben einiges in der quirligen Kleinstadt zu erledigen, bevor ein paar Tage später unser Sohn Patrick und Jürg aus der Schweiz zu uns stoßen werden. Es steht die Tour „Abseits der Pfade“ bevor. Und diese sollte wirklich abenteuerlich werden. Bevor wir allerdings in diese Erlebnisse eintauchen können, passierte auch in Maun noch etwas!!

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