Reisezeitraum:
24. März bis 18. Oktober 2008

Bereiste Länder: Namibia, Botswana, Südafrika, Zambia, Malawi, Mozambique

Gefahrene Kilometer: 31 000

Fahrzeug: Landrover Defender TDI, Baujahr Dezember 1994

home english tour2011 reiseberichte tiere wir Ausrüstung back next kontakt gallerie
Reisebericht
weiter zum Teil Tour I

Ankunft in Windhoek am 25.3.08,
Weiterreise nach Südafrika


Ausbildung zum Field Guide, 1. - 28. April 2008
Selati Private Game Reserve (South Africa)

Die Bilder vom Selati stammen zum großen Teil von Melissa und Lorinda Bailey, da unsere eigenen Bilder bei einem späteren Überfall im Audi Camp (Botswana) bis auf wenige (bereits auf dem Laptop gesicherte) leider abhanden kamen. Den beiden nochmal vielen Dank für ihre Mühe!!

Dieses Zelt war vier Wochen lang unser
Zuhause (Bilder Bailey)


Dieses Mädchen-Waschhaus beinhaltete drei Duschen, drei Toiletten und drei Waschbecken


Die Lecture Hall. Hier wurde gegessen, Unterricht gehalten, Tests geschrieben und ohne jede Technik Präsentationen von uns StudentInnen gemacht. Vorbereitungszeit: Ein Tag. Dauer des Vortrags: Zehn Minuten. Thema wurde vorgegeben (z.B. Das System der Fliegen)

Am Day off besuchen wir das Moholoholo Reha Center. Jochen füttert dort einen Geier (Absurd, wenn man an die Geiersituation im Chobe denkt, wo sie zu hunderten vollgefressen in den Bäumen sitzen)

Ich stehe kurz vor meinem organisierten Gamedrive, meine Routenplanung wurde von Mark kurzerhand über Board geworfen, da er wusste, wo sich ungefähr die Löwen aufhalten und dies für einen guten Abschluss meines Drives hielt (was es definitiv auch war!!)

Ankunft in Windhoek

Am 24.3. verabschiedeten wir uns von unserer Familie. Sieben lange Monate in Afrika lagen vor uns, und es war schon ein ganz kribbeliges Gefühl, was uns wohl alles so wiederfahren wird. Werden wir Heimweh bekommen, wie stark werden wir die Kinder vermissen, unsere Freunde, vielleicht sogar die Arbeit? Wir hatten keine Vorstellung - aber eine große, sehr große Vorfreude!

Unsere Anreise erfolgte von München über Düsseldorf nach Windhoek. Die Verbindung ist von den Zeiten her recht angenehm. Aber: Die Fluggesellschaft, damals noch LTU hatte tatsächlich für den Langstreckenflug ein Gerät bereitgestellt, welches keine Gepäckfächer über den mittleren Sitzreihen hat. Die Folge: Heilloses Gepäckchaos. Die Leute mussten ihr Zeug überall hinstapeln. Wir sind der Meinung: Das geht GAR NICHT! Zudem war der Service recht bescheiden und das Entertainmentprogramm ging auch eher gegen Null. Alles in allem können wir das nicht weiterempfehlen.

Da es in München geregnet, in Düsseldorf geschneit und in Windhoek dann gewindet hatte, holten wir uns binnen weniger Stunden gleich mal beide eine ordentliche Grippe. Es sollte für die kommenden Monate die einzige Krankheit bleiben.

Nachdem wir ín Windhoek eingekauft hatten ging es los. Wir fuhren nach Botswana. Unser erstes Ziel war Ghanzi (Thakadu Camp), weiter ging es dann nach Maun, wo es im Gegensatz zu Windhoek richtig heiß war. Dort blieben wir aber nur eine Nacht und fuhren gleich am nächsten Tag weiter Richtung Südafrika. Unterwegs gerieten wir in mehrere Desinfektionskontrollen. Es herrscht die Maul- und Klauenseuche. Unser Landy wird weiß besprüht und wir müssen mit sämtlichen Schuhen durch eine Desinfektionswanne laufen. Dazwischen finden sich aber immer noch "normale" Kontrollen. An einer solchen bekomme ich tatsächlich einen Strafzettel. Mein Vergehen? "Where is the disk" fragt der Officer. "Which disk?" fragen wir zurück. "The road safety fee" - "No problem", die hatten wir fein säuberlich zu unseren Unterlagen gesteckt, es handelte sich schließlich um ein recht windiges Papier, welches ein jeder an der Grenze bezahlen muss. Wir zeigen sie ihm. Das passte ihm aber nicht. Der Wisch Papier hätte nämlich von uns, wie auch immer, an die Scheibe geklebt werden sollen. So, hundert Pula sind fällig (!0 Euro). Nachdem der Officer allerdings mitbekommt, das wir entgegen seiner Erwartung gar keine Südafrikaner sind (sie mögen die Südafrikaner nicht!), sondern Deutsche, tut es ihm bereits leid. Der Strafzettel samt Durchschlag ist aber schon angefangen, es bleibt ihm nur noch die Möglichkeit den Betrag auf 50 Pula abzusenken.Eine weitere Nacht verbringen wir im Khama Rhino Sanctuary. Dort machen wir uns auch selber noch auf die Pirsch und bekommen prompt ein Nashorn samt sehr kleinem Jungen direkt vor das Auto. Zudem sehen wir neben dem White Rhino auch ein Black Rhino und haben damit eines der Big Five in diesem Jahr schon gesehen.

Weiter geht es nach Südafrika. Unser Ziel ist ein Campsite direkt am Blyde River Canyon. Es dunkelt bereits als wir die Nationalstraße verlassen und auf einer kleinen Straße durch viele Minenstädte kommen. Als es ganz dunkel ist, wird dies zum spannenden Unterfangen: Man sieht nichts! Keine Straßenbeleuchtung, keine Chance die Hunderte von Fußgänger zu erkennen, selbst Autos fahren ohne jegliche Beleuchtung. Mehr als fertig erreichen wir um zehn Uhr abends die Campsite. Die nächsten Tage verbringen wir rund um den Blyde River. Leider ist das Wetter nicht besonders gut. Alle Naselang nieselt es und der Himmel ist verhangen. Wir schauen uns die Burke`s Lucke Potholes an und verweilen an Gods Window (im totalen Nebel). Insgesamt gefällt uns die Region gut, nur die vielen jung aufgeforsteten Monokulturbestände machen sich in dieser Landschaft nicht besonders ansprechend.

Zwei Tage später machen wir uns auf den Weg zum Selati (Linke Spalte unten geht es weiter)

Blyde River Canyon: Nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fish River Canyon in Namibia der drittgrößte (Bild Louis)


Unsere Feuerstelle zum grillen


Dieses trockengefallene Flussbett lag direkt vor unserer Nase. Es diente als Rückzugsort zum Lernen und zum Volleyballspielen


Die Nyalas wurden von Tag zu Tag zutraulicher. Sie fühlten sich in der Umgebung des Camps eindeutig vor Feinden sicherer. Mark war das gar nicht recht, lockte dies doch den Leoparden an, der des Nachts durch unser Camp streifte.

Surprise ist die Tochter unserer Köchin, sie liebte es in der Kiste durch das Flussbett gezogen zu werden.(Bilder Bailey)

Gelernt wurde immer direkt am Objekt, egal, ob es sich um Tiere, Pflanzen oder Steine handelte.

Das Camp

Joachim und ich erreichen mittags das Selati Private Game Reserve. Dieses liegt in unmittelbarer Nähe zum Krüger National Park. Eco Training bietet dort das von der FGASA zertifizierte Ausbildungsprogramm zum Field Guide an.
Mit uns nahmen weitere acht Leute an dem Level I Kurs teil. Zudem befand sich eine zehnköpfige Level II Gruppe ebenfalls im Camp. Hinzu kamen Mark - unser Instructor, sowie Darren, der die andere Gruppe managete.Womit wir nicht gerechnet hatten: Das Durchschnittsalter lag bei 20 Jahren (wenn man uns und die Chefs mal wegrechnet), die anderen TeilnehmerInnen stammten alle bis auf eine in der anderen Gruppe aus Südafrika. Und alle wollten wirklich das als ersten Schritt ins Arbeitsleben machen. In Deutschland hatten wir noch gehört gehabt, dass das viele Touris als Fun-Camp betrachten. Wir können nur sagen: Mitnichten!!!
Der Alltag im Camp sah folgendermaßen aus: Wenn man Dutie war (jedes Zelt war abwechselnd damit dran), dann hatte man zwischen fünf und fünf Uhr fünfzehn aufzustehen.

Weiter geht es in der rechten Spalte


Mark ging immer mit dem Gewehr voraus.

Beim sleeping out bekommt unser Brett Unlucky fast kalte Füße. Die Löwen sind zu hören und wir schlafen im Freien. (Bilder Bailey)

Anschließend ging man Wasser für den Kaffe aufsetzen und dann mussten alle Laternen auf den Wegen zu den Zelten angezündet werden (Es gab keinen Strom). Zuletzt musste man alle leise aber nachdrücklich wecken.
Um sechs Uhr morgens schließlich machte sich eine Gruppe auf zum Bushwalk (Die erste Woche sind wir nur gelaufen), und eine Gruppe ging auf Game Drive.
Die Bushwalks dauerten in der Regel drei Stunden. In der ersten Woche hatten wir rund 20 Bäume durchgenommen. D.h. wir sollten lernen die Bäume schon im Vorübergehen identifizieren zu können, sollten ihren Namen (inkl. lateinischen ) können, medizinische Nutzweisen kennen und traditionelle Geschichten dazu. Das klingt vielleicht einfach, ist aber im Herbst, wo viele Bäume kein Laub mehr hatten nicht so leicht. Für uns sehen zudem verschiedene Akazien oft sehr ähnlich aus - aber wozu hat man seinen dicken Baumschmöcker!
Nach dem Bushwalk gab es endlich Frühstück. Dieses ist typisch englisch, d.h. es gab mal Würste, mal Spiegelei, mal Rührei, manchmal auch Pfannkuchen. Die Duties durften sich um das Herrichten und Abräumen kümmern. Gekocht hat unsere Köchin, die mit ihrer Schwester und ihren zwei kleinen Mädchen in dieser Zeit im Camp wohnte.

Weiter in der mittleren Spalte unten


Obacht geben war natürlich wirklich angesagt. Dennoch im Camp liefen alle mit Sandalen rum, manche auch barfuss...


Night-Adder, gefangen im Camp und zur allgemeinen Anschauung lebend in den Eimer verfrachtet (Bild Louis)


Unterwegs mit dem Landy des Camps, jeder musste mal fahren. Zudem stand am Schluss der Ausbildung ein selbstkreierter und gefahrener dreistündiger Gamedrive auf dem Programm.(Bilder Bailey)

Auf diesem Bild seht ihr Tammy, Lorinda und Melissa Baley. Diesen beiden haben wir die meisten Bilder zu verdanken. Wir halten lockeren Kontakt, das ist wirklich schön.
Bild unten: J.P. undBrett auf der Mauer des Selati Game Reserves am Abend des Day Off - wir alle warten auf Mark, dass er uns einlässt.

Apropos Camp: Wenn wir im Camp waren, betrug unser Aktionsradius in die eine wie in die andere Richtung jeweils 100 Meter. Die Breite lag vielleicht bei 50 Metern. Das war schnell mal abgelaufen, und manchmal gegen Schluss hätten wir uns wirklich gewünscht, dass wir mehr dürfen. Der Grund hierfür war, dass wir uneingezäunt mitten im Game Reserve lebten (in Südafrika ist das gleichbedeutend mit Gefährlichkeitsstufe Nr. I). Die Gruppe war somit häufig auf sehr engen Raum, was Spannungen zwansläufig beinhaltete. Vor allem unsere drei Bretts waren manchmal Hardcore, wenn es um den Umgang mit anderen ging.

Schießen stand auf dem Programm. Nach einem mehrstündigen Bushwalk mit zwei Gewehren und der Munition für die ganze Gruppe war die Hälfte der Gruppe (=männlich und unter 29 Jahre) voll fertig. Die weißen Jungs in SA haben keine Kondition. Dafür konnten sie alle (inklusive Mädchen) recht gut schießen (sie hatten das alle auch schon zuvor gemacht gehabt) Bei mir, Annette, war das so: Ich mit links, denn rechts war einfach der Hammer, war absolutly confused über das rechtseitige handling. So war ich die einzige, die mit links schoss und hab als einzige Frau auch die 15 Meter Marke getroffen. Armer Büffel, game over!! Vorher ging mir aber aus Versehen mal das Gewehr los, ich dachte, ich mach mir vor Stress in die... Und das zweite Gewehr (Das Gewehr war eine 375 Magnum) mit der „Ich töte auch Elefanten-Munition war so der Hammer, dass ich dachte, mir hauts die Schulter weg. Das ist irgendwie nix für mich, aber schießen musste sein.

Ecotraining hat im übrigen verschiedene Ausbildungscamps, das typische Australier und Oversea-people Camp ist in Karongwe, da ist es nämlich etwas konfortabler als im Selati. Wir waren kurz vor unseren eigenen Prüfungen dort. Wir spielten die Gäste für die Abnahme einer Prüfung auf dem Gamedrive. Von dreizehn Leuten ist da nur eine angetreten, die sechs Deutschen dort haben gleich wegen zuviel Stress abgewunken, und die anderen auch alle. Bei uns war das ANDERS!!! Man stellte sich der Prüfung. Drei haben bei uns alle Prüfungen bestanden (Theorie, Drei-Stunden selbst organisierter Gamedrive, Navigation, Orientierung im Busch, Astronomie und anschliessendes Interview, wo mal eben das Seasol-Schlangenbuch, Birdbook, Reptils, Frogs und weitere 20 Module abgefragt werden. Das längste Interview bei den one-year students hat 6 Stunden gedauert! Dieses fand im Anschluss an dem Gamedrive am Abend statt! Einer der drei, die bei uns bestanden haben ist Jochen! Ich, Annette, habe alle Module bestanden außer den birds (sniff), aber war damit viertbeste und muss nur das Interview über birds nachholen, um die Anerkennung zu bekommen. Und das will ich machen!!!

Jochen hat jetzt die offizielle Berechtigung in Südafrika Gamedrives mit Gästen durchzuführen, auch Foodwalks, diese allerdings nur in non dangerous game aereas (Für das andere musst du Level 2 und 1 Jahr Praxis = min 3 Jahre haben). Ich hatte am Schluss meines Gamedrives die Löwen im "Plan" - das erste Mal während unserer vier Wochen bekamen wir sie zu Gesicht. Darren, der andere Instructor und Pussicatfanatiker hatte zwischendurch unsere Gruppe für eine Woche und wollte sie unbedingt finden (die hatten aber keine Lust gefunden zu werden....). Mark, der Chef und eigentliche Instructor wiederum hat nichts übrig für die Kätzchen, er liebt das Kleine (Scorpione, Schlangen, die little Five, Spinnen). Dennoch war es Mark, der mir vor meinem gamedrive sagte, dass er einen Tipp bekommen hat, wo die Löwen sein könnten und das wäre doch ein schöner Abschluss von meinem drive und zudem ärgert sich dann Darren! Geärgert hatten sich dann auch Brett und Shawn, die keine Lust gehabt haben als Gäste auf den Drive mitzufahren, aber - solange sie auf dem Auto waren - den Katzen sehr zugetan waren. (Jeder konnte Gast bei den Prüfungsdrives der anderen sein. Die Aufgabe bestand darin sich wie ein normaler Gast auf geführten Gamedrives zu benehmen. Als Prüfling hatte man diese auch zu bewirten. Ich hatte das große Glück einen super Platz inklusive Sonnenuntergang dafür zu finden.)
Nach vier Wochen ging unser Kurs zu Ende. Es war sehr anstrengend. Wir haben sehr viel gelernt. Auch in Sachen Gruppendynamik fühlten wir uns wieder in Schulzeiten zurückversetzt. Alles in allem waren wir froh es gemacht zu haben. Wir waren aber auch froh, nun endlich unsere eigentliche lange Reise beginnen zu können. Zeit wurde es!!

Fortsetzung unseres Reiseberichts mit der Tour I folgt in Kürze!!


Pause auf einem Bushwalk. Manchmal waren wir ganz schön müde (Bild Bailey).


Annette mit links und Joachim mit rechts (Bilder Louis)

Unterwegs auf einem Gamedrive. Eines der wenigen Bilder, was wir von unseren eigenen retten konnten

Tammy und Tilany, sie und Jochen hatten als einzige auf Anhieb bestanden (Bild Bailey).

Surprise war der echte Sonnenschein des Camps.(Bild Louis) Unten: Brushpacking